Tagebuch

4.Oktober 2020

4.Oktober 2020 - Erntedankfest

 

Was für ein glorreicher sonnig-frischer Herbsttag. Auf dem Weg zur Kirche ein Blick in diesen urweltlichen Redwood-Baum, der sein zartgrünes Blattwerk in den blauen Himmelsdom hebt.

Wie wir wohl aus Gottes Perspektive aussehen? Und unsere Vorhaben und Pläne? Der Mensch plant, und Gott lacht sich schief...Wie können wir überhaupt Voraussagen machen, wenn uns das schon bei Wahlen mit ihren Umfragen und Meinungserhebungen nicht gelingt? Und ist das alles überhaupt wichtig, und nicht doch einfach lächerlich, wenn ich am Stamm dieses Astwerks in den Himmel schaue? Um es mit Benn zu sagen: „Ich weiß, dass Gott auch außerhalb der Welt/, noch manchen Trumpf in seinem Skatblatt hält...“ Heute wird das Erntedankfest gefeiert, das ist wichtig.

 

In der Kirche Stella Maris in Kappeln ist der Altar mit den Früchten des Feldes und der Gärten geschmückt.

Der alte Baron sitzt wieder mit der Baroness in seiner Bank, fünfte Reihe rechts von vorne, ganz vorn ist abgesperrt für ein Paar mit reichlich Kindern und Enkeln, das die Goldene Hochzeit feiert.

Noch einmal erhalten sie den Segen, noch einmal heißt es am Ende „nun dürfen Sie die Braut küssen“, und ich erinnere mich an meine Eltern und ihre diamantene Hochzeit, und wie uns fünf Söhnen das Wasser in den Augen stand.

Die Alten hier haben geheiratet, als ich in eine maoistische WG zog, um die Welt zu verändern, aber die Madonna von zuhause hatte ich mitgenommen, sicher ist sicher.

Am Ausgang gibt es Tüten mit Stockrosenkeimen.

Das Feld vor unserer Wiese ist abgeerntet, die Jahreszeiten sind hier auf dem Land spürbarer, das Korn und die Kürbisse am Altar sind echt, "Der Segen der Erde“ ist sichtbarer, was für ein wunderbarer elementarer Hamsun-Roman das übrigens ist.

 

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Für unsere Kirche ist es dann doch nicht unwichtig, wer ins Weiße Haus einzieht, da hat Gerhard Kardinal Müller, der einstige Chef der Glaubenskongregation, völlig recht  http://kath.net/news/73025 Wenn Papst Franziskus, der Linkspopulist, auch geradezu albern sichtlich auf den Fotos mit Donald Trump böse Miene machte und der Linken Protestbilder lieferte

– auch er wird nicht daran vorbeikommen, dass Trump eine eindeutig katholische Haltung zur Abtreibung einnimmt. Und daran, dass er der seit Langem erste amerikanische Präsident ist, der Ernst macht mit seiner Suche nach einem Frieden im Nahen Osten, und der die kriminellen und korrupten islamistischen Organisationen Hamas und Fatah, die ihr palästinensisches Volk zur Geisel gemacht haben, umgeht und arabische Bündnispartner gewinnt.

Mit der Nominierung der Katholikin und Abtreibungsgegnerin Amy Coney Barrett, Mutter von fünf leiblichen und zwei Adoptiv-Kindern für den Supreme Court, hat Trump an seinem Vermächtnis gearbeitet - er hätte, wenn die Nominierung erfolgt, in seiner Amtszeit mit drei Richter-Ernennungen einen überwiegend konservativen Supreme Court zusammengesetzt, auf Jahre hinaus.

Barrett schrieb einst, dass es im Anwaltsberuf nicht nur um Karriere oder Ruhm gehe, sondern darum „Gott zu kennen, zu lieben und ihm zu dienen“. Für einen Katholiken gilt das in jeder Arbeit, durchaus auch der des Journalisten.

„Bei den bevorstehenden Wahlen sind drei Punkte entscheidend“, sagte Kardinal Müller in einem Interview. „Erstens das Ja zum Leben gegen Abtreibung, zweitens die Religionsfreiheit gegen das Mainstreaming der Geschlechterideologie und drittens die Mission der Vereinigten Staaten, Demokratie und Menschenrechte gegen Diktaturen zu verteidigen.“ Und hier ganz besonders gegen das totalitäre China, das alle Anstalten macht, demokratischen Widerstand, egal wo, niederzuwalzen, und die Menschen unter das Joch nihilistisch-kommunistischer Masterpläne zu zwingen. Eine Schande, dass Franziskus mit seiner Anerkennung der katholisch-chinesischen Staatskirche die dortige tapfer-kämpfende katholische Untergrund-Kirche verriet.

Es gehe bei diesen US-Wahlen, so Müller, um die ganze Spannbreite von der „Wahrheit über den absoluten Wert jedes Einzelnen“ über die „Religionsfreiheit“ bis hin zu den „tieferen Dimensionen dessen, was in diesem Moment der Weltgeschichte auf dem Spiel steht“.

Er warnte davor, nur ein Urteil abzugeben, das auf subjektiven Empfindungen und ideologischen Präferenzen beruhe. Doch nach genau dieser Elle, der linksgrünen, messen unsere Medien den Wahlkampf und versteigen sich, nach Donald Trumps Corona-Infektion, zu den zynischsten Kommentaren, etwa wenn die schmallippige Tagesthemen-Kommentatorin Christa Meier die Erkrankung als Quittung für Donald Trumps „bizarre Lügen“ beschreibt.

Nun ist er bereits aus dem Krankenhaus entlassen, und in den Straßen von Maryland feiern ihn die Menschen - er ist dabei, nicht nur der Wut auf ein verlogenes linksliberales Polit- und Medien-Establishment Gestalt zu geben, sondern tatsächlich die Herzen zu erobern.

 

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Zum Jahrestag der Wiedervereinigung fielen dem amtierenden Ersten Mann der politischen Wagenburg Berlin Frank-Walter Steinmeier (siehe Eintrag auf dieser Seite) wie erwartet nur pathetische Worthülsen ein, von denen die Hälfte den Faktencheck nicht bestanden und die andere Hälfte parteipolitische Borniertheit verrieten, wie selbst der Chefredakteur des Tagesspiegel nicht umhin kam, anzumerken. Etwa wenn er den amerikanischen Bündnispartner in einen damaligen und einen heutigen aufteilte.

Linke Bonzensprache, angerührt mit einem Beton, auf den Honecker neidisch gewesen wäre.

Da die Anzahl der zwangsverpflichtend Beiwohnenden durch die Corona-Regeln begrenzt war, fielen die Bürgerrechtler raus, also genau die, die den Anstoß zur damaligen Revolution gegeben hatten.

Tatsächlich: die Ja-Sager-Nomenklatura von einst hat heute wieder das Sagen, von Innensenator und Demonstrationsverbieter Geisel in Berlin zur FDJ-Sekretärin im Kanzleramt, womit eine Warnung von Bärbel Bohley Wirklichkeit wurde – "sie" werden Mittel und Wege finden, prophezeite sie vor ihrem Tode düster, den alten Macht- und Überwachungs- und Denunziationapparat neu zu installieren!

Ehrlicher als Bonze Steinmeier und treffender trat Arnold Vaatz, Vize-Fraktionschef der CDU, im Sächsischen Landtag in Dresden auf und brachte, was sonst - Regierungskritik:

„Es muss möglich sein, über die Energiepolitik der Bundesregierung zu streiten; für die Nutzung der Kernenergie einzutreten; die Wirklichkeitstauglichkeit unseres Risikobewusstseins zu prüfen; die Gefahren unserer Verschuldungspolitik abzuwägen; die Wirksamkeit unserer Entwicklungspolitik zu hinterfragen; unnütze Bürokratie beim Namen zu nennen und zu beseitigen; eine saubere Trennung von Asylpolitik einerseits und Einwanderungspolitik andererseits einzufordern. Und all dies, ohne an den Pranger gestellt zu werden oder an den Pranger zu stellen.

Wenn hier Allensbach zufolge heute fast 80 Prozent der Menschen sagen, man müsse sich beim Sprechen über manche Themen wieder vorsehen, dann frage ich mich allerdings: Ist die Freiheit von 1990 heute noch Lebenswirklichkeit?“

 

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Dem ist nichts hinzuzufügen, nur dieser hübsche Bilderwitz:

 

 

 

 

 

 

Über Frank-Walter Steinmeier

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29.September 2020

Soeben ein sehr lebendiges Gespräch mit Peter Weber von der website „Hallo Meinung“. Diese, so erfahre ich im Netz, ist umstritten und hat ihren einstigen Status als steuerbegünstigtes „gemeinnütziges Unternehmen“ verloren. Und das auf Initiative eines „Nürnberger Bündnis Nazistopp“. Webers Vergehen: Er veröffentlichte Videos, in denen er die Regierung kritisierte. „Zudem“, habe er gesagt, „würde in Deutschland eine "Meinungsdiktatur" herrschen". Das liest man auf der empörten homepage der selbsterklärten Nazijäger, nach dem Motto: Wo kommen wir hin, wenn man das ungestraft sagen dürfte.

Also bitteschön, bayrische Staatsregierung, weg mit dieser albernen „Gemeinnützigkeit“.

Dass sich in diesen mal widersprüchlichen, mal tautologischen Verschlingungen die eigene Urteilskraft aufhebt, merken die tumben Deppen dieser Nürnberger Antifa-Würstchen wahrscheinlich gar nicht. Oder eben doch und es ist ihnen wurscht oder würschtl, weil es, wie es schon bei „Alice in Wonderland“ heißt, nicht um Worte geht, sondern um die Macht. Nachzulesen in meinem  Buch über den "Verlust des gesunden Menschenverstandes" und die Verluderung des Journalismus, in "White Rabbit"

Das ist wohl das Verblüffendste an unserer Diskussionskultur heute: die Ungeniertheit, mit denen die Gesetze der Logik und der Vernunft außer Kraft gesetzt werden von denjenigen, die die Macht haben.

 

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Aus der NZZ erfahre ich von einer Reportage auf ProSieben mit dem Titel „Rechts. Deutsch. Radikal“, einer 2-stündigen Erforschung in die Szene am rechten Rand.

 

Darunter ein heimlich abgehörtes Gespräch in der Berliner „Newton-Bar“, die mit ihren Big Nudes an den Wänden einer dieser typisch-halbseidenen 90er-Jahre-Wendezeit-Tränken für Kleinbetrüger darstellt. Dort hat sich ein (mittlerweile geschasster) AfD-Mitarbeiter und früherer FDP-Windbeutel, der später als Christian Lüth identifiziert wird, mit einer sich Lisa Licentia nennenden schönen Youtuberin verabredet und bespricht das gerade frische Hamburger Wahlergebnis im Frühjahr.

Licentia operiert als Lockvogel für den Reporter, wie es jene weißrussische angebliche Milliardärs-Nichte in Straches Ibiza-Video war.

Da das Kameramikrophon zu schwach ist, wird Lüths Gesprächsteil aus Zeugenaussagen der Dame und anderen rekonstruiert und nachgesprochen.

Die in diesem aufwendigen Verfahren angeblich ergatterten Sätze verschlagen einem die Sprache. Da ist davon die Rede, dass die Republik durch weitere massenhafte Aufnahme von Flüchtlingen oder Immigranten destabilisiert werden soll...die könne man ja „hinterher erschießen oder vergasen“.

Die Geschichte ist von Alexander Kissler in der größtmöglichen Ausgewogenheit und Vorsicht n der NZZ niedergeschrieben worden, doch sie kommt nicht umhin, ein vernichtendes Fazit über die Gesamtpartei zu ziehen: „Solange die AfD ein Sammelbecken bleibt für halbseidene, radikale, extreme und revanchistische Köpfe, fällt sie als bürgerliche Opposition aus. “

Dabei müssen die inkriminierten Sätze nicht ja unbedingt von einem ideologisch fanatischen Nazi stammen (was wäre das heutzutage?), sondern sie könnten durchaus auch einem angetrunkenen angeberhaften Borderliner aus der schiefen Fresse purzeln, einem, dem in der nachträglichen Rekonstruktion solche wahrhaft bilderbuchmäßigen Aussagen in den Mund formuliert werden.

 

Interessant sind die Forumsbeiträge unter dem Artikel. Sie sind weniger apodiktisch, weniger eifrig um Seuchenkontrolle und Brandschutz, ja journalistischer Selbstdistanzierung bemüht.

Tatsächlich wünscht man sich einmal ein einziges Reporterteam, das mit gleichem Aufwand, gleichem Eifer die linksradikale Szene infiltriert und ihre Verbindungen bis hinauf in die sozialdemokratische Regierungspartei, in die Linke oder die grüne Jugend dokumentiert, die sich anschicken, womöglich die nächste Regierung zu bilden.

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Die Wartezeit zum Beginn des TV-Duells mit Scott Fitzgeralds short stories verbringen. Wahrscheinlich ist er doch ein Spur besser und zwei Spuren konventioneller als Hemingway, etwa in "Die letzte Schöne des Südens" ein Abendspaziergang und der Satz: "Wir trafen uns vor dem Hotel und liefen durch das blumige, heiße Zwielicht ein Stück aus der Stadt hinaus."

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Wer hätte gedacht, das die TV-Debatte zwischen Trump und Biden  die deutschen Wähler derart spalten würde?

Moment, die deutschen Wähler?

Tatsächlich kämpfen hier zwei Weltanschauungen miteinander, die auch uns Deutsche derzeit in zwei Lager spaltet, wobei die Medienöffentlichkeit eindeutig im demokratischen Lager angesiedelt ist, beziehungsweise und genauer: im Lage der US-Demokraten, das nicht unbedingt demokratischer Natur ist, wenn man sich die Plündereien und Gewaltausbrüche anschaut, die derzeit die 'demokratisch' verwalteten amerikanischen Großstädte wie Washington, New York, Los Angeles oder Portland verwüsten und die unter dem Etikett „Black Lives Matter“ aktiv von Demokraten unterstützt werden.

Wenn der Spiegel eins ums andere Mal Titelblätter produziert, auf denen Trump als eine die Erde vernichtende Supernova oder terroristischer Kopfabschneider oder als Brandstifter diffamiert wird, liegt soviel Leidenschaft dahinter, als ginge es tatsächlich um die deutsche Zukunft. An Joe Biden dagegen interessiert nur, ob und wie er eventuell über Trump siegen könnte. Denn ein Sieg würde auch als Selbstbestätigung der deutschen Linken gelesen werden.

In der FAZ, der SZ, der Zeit, besonders aber in den öffentlich-rechtlichen Medien sieht die Sympathieverteilung nicht anders aus. Als hinge von dieser Wahl auch das Schicksal in unserem Lande ab.

Das Ergebnis dieser Gehirnwäsche auf breiter Front schlägt sich in einem tatsächlich verblüffenden Umfrage-Ergebnis nieder: rund 41 % der Deutschen halten Trump für eine größere Gefahr für den Weltfrieden als den doch aggressiv-expansionistisch auftrumpfenden Chef der chinesischen KP Xi Jinping.

Das ist umso rätselhafter, als Trump im Gegensatz zu seinem demokratischen Vorgänger Barack Obama keinen einzigen Krieg vom Zaun gebrochen, statt dessen aber einige beendet hat.

Aber dass die USA, die den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die mit dem Blut ihrer Soldaten erkämpften Segnungen der Demokratie gebracht haben (Neben Kaugummi, Rock n Roll und Hollywoodfilmen) bei uns weniger Wertschätzung genießen als die stramm geführten und kontrollierten Massenorganisationen mit ihrem totalitären Führer an der Spitze, das ist eine deutsche Eigenart, besser Rätselhaftigkeit, die sich nur noch tiefenpsychologisch erklären lässt.

 

25.09.2020

Während die blauweiße Staatssekretärin und Digitaltotalpfeife sowie Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung Dorothea Bär über einen (eventuell misslungenen) Witz von Stephan Paetow in „Tichys Einblick“ rot sah, der die ebenfalls Staatssekretärin für Dingens Sawsan Chebli beleidigte und den in unseren Tagen ständig glimmenden Scheiterhaufen des Sexismus hoch auflodern ließ und den ganzen Tichy verfluchte, der daraufhin vom Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung zurücktrat, schob sie noch einmal per Twitter und Interview nach, dass dies ja „nicht der einzige verbale Ausfall“ des Unternehmens Tichy sei. Ein gar forscher Auftritt und Versuch zur Cancel Culture jener "Staatssekretärin im Bundeskanzleramt", die ich bzw. Mann (alter, weißer) als personifizierten Ausfall zu bezeichnen nicht umhin komme bzw. kommt.

Garnicht erstaunlicherweise aber doch ermutigend schwoll daraufhin die Unterstützung für Roand Tichy und sein Magazin mächtig an – was uns zu Vorgängen rund um den britischen Spectator bringt.

Dort nämlich hatte sich eine ganze Twitter-Rotte im Geiste Dorothea Bärs versammelt, um die für Social Media verantwortliche Jungschar des Coop-Konzerns mit einem Troll-Gewitter zu beeindrucken, das darauf hinaus lief, dass der Konzern doch bitte und künftig nie mehr Anzeigen in diesem glorreichen Magazin schalten möge, da es wiederholt zu groben Verstößen in Berichten über die Transgender Kultur gekommen sei - was mir eines der unbedingten Argumente für die Lektüre des Blattes bedeutet.

Die Trollfarm, die diesen Angriff startete, tat dies unter dem klangvollen Namen „Stop Funding Hate“, die 30 oder 40 Aktivisten – durchaus auch weniger – um sich sammelt, um dem Hass auf den „Hass“ den nötigen Wumms zu geben. In diesem Falle war es eine gewisse „Fajita“, die es mit einer „Alice“ des Konzerns zu tun bekam.

Vielen Konzernen schlottern die Knie angesichts der rufschädigenden und absatzhemmenden Gefahren solcher Negativ-Publicity.

Nicht so der Spectator, der seine erfreulichen Erträge nicht durch Anzeigen, sondern durch den Verkauf des Magazins erzielt.

Deren Eigner Andrew Neil schrieb an Co-op, dass sich der Konzern nicht weiter bemühen solle – ab sofort gelte ein Anzeigenstop. „Wir werden nicht dulden, dass ein Konzern seine finanielle Macht dazu nutzt, unseren redaktionellen Inhalt zu beeinflussen, der allein in der Verantwortung des Chefredakteur liegt.“ Das Schönste an diesem perfiden Vorstoß der Cancel-Cultur ist, dass er das Gegenteil bewirkte: der Spctator konnte 1000 neue Abonnenten gewinnen und als der Tweet des Spectator-Eigners über Co-op viral ging, wurde zum Boykott des Konzerns aufgerufen. 

Schließlich schaltete sich die Konzernspitze ein, die von all dem nichts wusste, und im gegenteil eine eigene Hauspolitik hat, in der Versuche auf redaktionelle Inhalte zu unterbleiben haben, und sie entschuldigte sich und schaltete eine Anzeige. Die Spectator-Redaktion wiederum nahm die Entschuldigung an und orderte eine Pallette des Co-op-eigenen Champagners, der, wie Kolumnist Nelson Fraser, berichtete, in einer Blindverkostung Schwergewichte wie Moet, Veuve und Bollinger aus dem Feld schlug. „Allerdings nicht den von Pol Roger, aber wer tut das schon“.

 

Den Vormittag über den Mann mit den Vorhängen in der Bude. Genau rechtzeitig. An den reichlichen Sonnentagen bisher hatte ich hier an der Ostsee das Rio-Gefühl, viel Grün innen, nochmehr Grün außen, die angenehmste Durchlässigkeit. Mit dem Einbruch der trüben Tage indes tut die Verpackung durch bodenlange, leicht transparente Stoffbahnen wohl. Man fühlt sich geschützt. 

24.09.2020

Stephan Paetow, der in „Tichys Einblick“ den satirischen „etwas anderen Monatsrückblick“ schreibt, kann mit wunderbaren  Wortschöpfungen aufwarten wie „Greta aus Schölefröh“, also solchen, mit denen buchstäblich ein kugelrundes lachendes Smiley aufgeht. Nun hat er sich nach Ansicht einiger vergriffen, als er schrieb, „Was spricht für Chebli? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer“...und prompt hat er damit Tretminen hochgejagt. Dorothea Bär von der FDP fand den Witz so sexistisch, dass sie die von Roland Tichy geführte Ludwig-Erhardt-Stiftung verlassen hat.

Der Witz ist prinzipiell nicht schlecht, nur hätte beispielsweise der Leberfleck als Alleinstellungsmerkmal genügt - allerdings wären damit die (so politisch inkorrekten) alten weißen Männer nicht Bestandteil der Pointe gewesen, die Paetow ansteuerte...na gut, vielleicht hätte er den ganzen Versuch ausrangieren sollen, aber kribbeln tut es einen schon ☺

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Dabei hätte der Titel des neuen Heftes „Sind wir eigentlich blöd?“ durchaus als Kommentar auf das „Chebli-Gate“ gelesen werden können: Dass ein entgleister „sexistischer“ Witz einer CSU-Politikerin dazu dient, die Sturmglocken zu läuten, ist an sich nicht ohne Komik. Da offenbar ihre Fachkompetenz als Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt nicht ausreicht, für dieselbe zu sorgen, wirft sie sich auf das benachbarte Feld des Sexismus. Bzw. Sex, denn heutzuitage hat alles mit Sex zu tun, wie die ebenfalls an Bedeutungsverlust leidende FDP vorexerziert. 

Dort war es der einstige Vorsitzende der Partei, Rainer Brüderle, der mit seiner verstaubten Anmache, einer gerissenen Sternredakteurin seiner „Tanzkarte“ anbieten zu wollen und seine Freude über ihre Fähigkeit, ein Dirndl „auszufüllen“, in den Orkus des Vergessens torkelte. 

Und nun war es die jüngst durchaus als schlüpfrig verstandene Bemerkung Christoph Lindners in seiner Parteitagsrede, „die letzten 300 Tage“ mit er von ihm geschassten Generalsekretärin Teuteberg „begonnen zu haben...nicht das was ihr denkt, liebe Freunde (höhöhö)...“, die ein Sexismus-Problem der gelbblauen Opportunisten-Partei durchaus offenbarte.

Womöglich dachte sich Dorothea Bär, immerhin ist der noch bedeutungslosere FDP-Voresitzende damit in die Schlagzeilen gekommen, warum sollte es nicht auch mir glücken? Durchaus von Nachteil indes dürfte sein, dass sich das Publikum fragt „Bär?...Bär?...Wer war das nochmal und wofür ist die zuständig?“, bis es praktisch darauf gestoßen worden wäre, dass die christsoziale Gschaftlhuberin ja überhaupts a nix taugen tuat...was mich an ein Vorkommnis aus meiner Zeit beim Stern erinnert, als Nannen einen Themenvorschlag von einem längst vergessenen Korrespondenten in Ägypten erhielt, sich erinnerte, dass er ihn einst eingestellt hatte und ihn nun prompt feuerte, weil er sei jenen Tagen nichts mehr von ihm gelesen hatte. 

Immerhin schob die blauweiße Bärin in ihrer opportunistischen Witterung noch die Bemerkung hinterher, dass diese Entgleisungen ja bei Tichy nichts neues seien, weil das Magazin wahrscheinlich auch zu ihr, der Totalversagerin der behaupteten „Digitaloffensive“, nicht immer nett war.

Was aber den Sexismus bei Tichy angeht, der ist mir doch sehr entwicklungsbedürftig. Aber mit meinem Drängen, eine fundierte Analyse der Schuldenwirtschaft Merkels auch mal mit einem Miss-Universe-Contest aufzupeppen, bin ich bisher ins Leere gelaufen. 

Tatsächlich aber konnte sich der arme Roland Tichy, nachdem er den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung nun selber hingeschmissen hat, vor Solidaritätskundgebungen seitens des Publikums kaum retten. Es scheint dann doch, dass eine wachsende mündige Leserschaft diesen ganzen Opfergruppenkäse leid ist, womit wir wieder bei Tichys Titelgeschichte wären.

 

23.09.2020

Morgenmeditation mit Meister Eckharts „Reden der Unterweisung“. Die 11. heißt: „Was der Mensch tun soll, so er Gottes vermißt und Gott sich ihm verborgen hat“. Ein sonniger Morgen, der Blick geht hinüber zur Eiche, in deren Krone der Wind spielt, weit hinten der Spiegel der Ostsee, darauf die bunten Segel der Kiter. Pure Schönheit, purer Frieden...

Meister Eckart meditiert über das „dein Wille geschehe“ aus dem Vater Unser. Nur wenn wir unseren Willen aufgeben, werden wir ganz von Gott umfangen sein, ja, gotthaft werden. 

Nicht nur diese Einsicht beschäftigt mich, sondern auch das vergilbte Papier, auf das sie gedruckt ist. Ein schmales Heftchen aus dem Insel-Verlag, Leipzig 1944! Tatsächlich ist es dem Verleger gelungen, in dieser Absturz- und Höllenfahrtszeit der Bombennächte ein Kontingent Papier zu ergattern, um Eckarts Einsichten zu drucken. In der Annahme, dass es Leser dafür gebe. Ja, vielleicht sogar, dass es dafür mehr Leser gebe als in Friedenszeiten. Wo alles Hoffen auf eine Veränderung der äußeren Umstände vergeblich ist, schürft der Mensch nach inneren Ressourcen.  

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Die FAZ macht mit der Meldung auf, dass nur noch 9 Prozent der Bundesbürger der SPD zutrauen, mit Krisen wie den derzeitigen fertig zu werden. Diese Partei boxt seit Jahren über ihrer Gewichtsklasse und der Bundespräsident, der ihr angehört, ebenfalls. Das hindert ihn nicht, sein Amt als Propaganda-Ministerium der Regierungspolitik zu nutzen, sei es die tumbe „Gegen Rechts“-Rhetorik, die jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit mit Pathos übergestülpt wird, oder die Prämierung von Kassandras aus der Wissenschaft, die die strengen und demokratisch zweifelhaften Freiheitsentzüge während der Corona-Epidemie mit unheilvollem Zahlenwerk stützen.

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Zur Antifa-Rhetorik des Ersten Mannes im Staat: Sie kommt derart vorhersehbar und plump dahergehumpelt, wie sie das mit den leninistischen Belegstellen in den K-Gruppen der frühen 70er Jahre tat, als es darum ging, den todsicheren Sieg der kommunistischen Weltrevolution zu prognostizieren. Steinmeier wurde in dieser Zeit geprägt. 

Man sollte nicht vergessen: Steinmeier wurde in dieser Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet. Es war die Zeit der konservativen sozialdemokratischen Kanzler wie Willy Brandt und Helmut Schmidt, die den Radikalenerlass bzw. die Nachrüstung beschlossen und dabei Steinmeier und genossen auf dem Kieker hattten. 

Die Morde eines Geistesgestörten Hanau liefern Steinmeier zum Beispiel Anlass, vor den Gefahren des Faschismus zu warnen und indirekt einen Ausschluss der AfD, der größten Oppositionspartei des Landes, aus dem politisch zugelassenen Spektrum zu befeuern. 

Auch den Zug der Protestdemonstranten in Chemnitz nach dem Mord eines Deutsch-Kubaners durch einen syrischen Flüchtling, nahm er zum Anlass, unter dem Motto „Wir sind mehr“ ein Zusammenstehen der „Demokraten“ zu fordern wobei wiederum klar wurde, dass er die AfD nicht dazu rechnete. Dafür verantwortete er, dass linksradikale Rapper wie „Feine Sahne Fischfilet“ von „Bullenhelmen“ grölten, die runterzuschlagen seien, und davon, Eva Herrmann ‚durchzuficken‘ „bis sie grün und blau ist“.

Geradezu grotesk war seine Veredelung einer halluzinierten „Verteidigung des Reichstages“. Parallel zur großen „Querdenker“-Demonstration hatte sich einige von sogenannten Reichsbürgern mit ihren weißroten Fahnen, aber auch in Fahnen der USA und der Türkei Gehüllte auf die Reichtagsstufen zubewegt, die  allerdings nur Wunsch äußerten, von dort oben Selfies zu schießen und keine Anstalten machten, ins Gebäude einzudringen. Diese drei Beamten nun wurden von SPD-Präsident Steinmeier zur Audienz empfangen und zu Helden stilisiert; prompt forderte der Linken-Chef Bartsch das Bundesverdienstkreuz für die Beamten.

Ausgeschlossen ist das nicht, denn Steinmeier prämiert mit dem Bundesverdienstkreuz gern Leistungen, die sich als PR für die politische Klasse in Berlin nutzen lassen.

So verlieh er nun dem Virologen Christian Drosten das Bundesverdienstkreuz, obwohl der Mann heftigst umstritten ist wegen seiner apokalyptischen Extrapolationen eines absuden Zahlenwerkes, das lediglich Infektionen, nicht aber tatsächliche Erkrankung oder Todesfälle, auch keine Vergleichsgrößen der Testate veröffentlicht. Er hatte einst Millionen von Toten vorhergesagt, sollte man seinen Fopr5derungen nicht Folge leisten. 

Viele seiner Kollegen, darunter die deutsche Ärztekammer, haben sich gegen die Panikmache verwehrt und sie gefährlich oder schädlich genannte – Steinmeier jedoch gibt ungerührt Gas, trotz aller Demonstrationen und Proteste, nach dem erzieherischen Motto: Jetzt erst recht!

Das hier zum Thema Panik und Presse: Immerhin hat es sich der Kölner Stadt-Anzeiger verkniffen, die Begleitumstände des überraschenden Dahinscheidens des 97-jährigen zu verschweigen

22.09.2020

Ich hatte vor zwei Wochen in diesem blog über das Buch „Gefährliche Bürger“ eines gewissen rasenden jungen FDP-lers namens Christoph Giesa berichtet, der die Demokratie zu schützen vorgab, indem er Journalisten von Rang wie Alexander Kissler oder Henryk Broder oder meine Wenigkeit und viele andere namentlich Aufgeführte als „Brandstifter“ oder „gefährliche Rechtsradikale“ brandmarkte.

In dieser Raserei nannte er uns, mich eingeschlossen, „Aasfresser, die die Pest in die Stadt tragen.“

Mittlerweile wird mir klar, dass der Kampf des mainstreams aus Politik und Presse gegen Dissidenten in diesem Land im Kern nicht mehr mit ideologischen, sondern mit hygienepolitischen Argumenten geführt wird, was in der Corona-Debatte geradezu tautologisch klar wird.

Ja, die Kritik an der herrschenden Meinung wird als Infekt gesehen, der den Volksköper befällt und der muss aus Sicht der herrschenden Meinung in alarmistischer Früherkennung herausgeschnitten und vernichtet werden, bevor er zu wuchern beginnt.

Geradezu trotzig wird das derzeit von Bundespräsident Steinmeier, dem einstigen vom Verfassungsschutz beobachteten Linksradikalen vorgeführt.

Den Bundesverdienstkreuzen für die drei Polizisten, die  den Reichstag gegen einen Angriff schützten, der nie einer war, ließ er nun das Bundesverdienstkreuz für den Epidemiologen Christian Drosten folgen, dessen obskures Zahlenwerk die  Panikpolitik der Regierung und ihre drakonischen Einschränkungen der Bürgerrechte stets und treu unterfütterten.

Bundesverdienstkreuze also für die Abwehr von Gefahren, die von der Regierung halluziniert wurden. Sowohl die Invasion der Reichsbürger wie die der Viren sind seuchenpolitische Maßnahmen, deren Durchsetzung vom obersten Mann im Staate prämiert wurden.

Überflüssig zu sagen, dass der rasende Mitläufer Christoph Giesa die drei Beamten der Polizei, die sich am Tag dieser Corona-Demonstration durch rabiate Prügeleinsätze gegen demonstrierende Frauen – eine davon schwanger – hervortaten, als Helden feierte.