Nachdenkliches zur Denkmalsstürmerei

Matthias Matussek Allgemein 2 Comments

Überall werden zur Erziehung der Weißen Statuen von Männern geköpft, die Schwarze versklavt haben. Nur in Belgien wird lediglich gekleckert. Warum?

Nichts gegen Zerstörung, aber sie muss geordnet und sorgfältig ablaufen. Und wenn ich den Namen Leopold nur höre, krieg ich einen ganz dicken Hals! Speziell wenn er sich noch den Zweiten nennt, also Leopold II. von Belgien. Steht da immer noch rum, in Bronze, in Brüssel, mit ein bisschen rot bekleckert.

Ich erkläre das später, aber zunächst mal das: Ich begrüße sehr die Bewegung “Make lives better”, in der es darum geht, Denkmäler zu stürzen und Schaufenster einzuschlagen. Sie hat irgendwas mit einem Mord in Minneapolis zu tun und mit Schwarzen und Polizisten und der Gelegenheit, sich umsonst bei Gucci und Nike zu versorgen, auch bei Tiffanys, weshalb diese Schweinekonzerne ihre Schaufensterauslagen verbrettert haben, die ganze 5th Avenue sieht aus wie ein Baumarkt, aber es ist nun mal die Stunde der Wahrheit, es geht ums Aussortieren, also “Make lives matter” hat mir ins Gedächtnis gerufen, dass es Belgien gibt und dass ich Belgien nicht ausstehen kann. (Selbstverständlich nur in dem Sinne, der nicht gegen die Gemeinschaftsstandards von Facebook verstößt) (Einige Oberschlaue werden in der vorhergehenden Klammer einen Beleg für sogenannte „Sklavensprache“ zu erkennen meinen) (Das sind die, die noch nie was von der „dialektischen List“ Bertolt Brechts gehört haben.)
Also weiter im Text: Was hat uns Belgien überhaupt gebracht, einfach mal in die Runde gefragt?
Ich sage nur: Brüssel. Schon wieder Kolonialmacht spielen? Nichts gelernt aus der düsteren Geschichte?
Ich sage nur: Kinderschänder.
Ich sage nur Brüssel-Molebeck, aus deren schwer einsehbarer Bevölkerung Planung und Ausführung des Bataclanmassakers und diverser anderer islamistischer Terroranschläge orchestriert wurden. Also meiner Ansicht nach kann das weg, da wir im Moment am Aussortieren sind und ein schöneres, freundlicheres Morgen am Vorbereiten sind.

Kern meiner antibelgischen Reflexe ist Leopold II., der Belgien zwischen 1865 und 1909 regierte. Er war Privateigentümer von Belgisch-Kongo. Tatsächlich: Privatbesitz. Achtzig (80) Belgiens hätten da reingepasst. Kongo war Kautschuk-Lieferant, unermesslich die Reichtümer, die damit zu erwirtschaften waren, denn Kautschuk lieferte Gummi für Autoreifen, die Welt automobilisierte sich und Kongo wurde zur Hölle.
Also jetzt nicht wegen der Autoreifen (Reifenabrieb, Feinstaub) sondern wegen Leopold. Er ließ im Kongo die Ureinwohnerschaft niedermetzeln und versklaven, und die mussten unter der Knute der Kolonialisten, der Agenten der Kolonialgesellschaft, schuften wie die Tiere, und wer sein Soll nicht erfüllte, wurde verstümmelt. Egal ob Kind, Frau, Mann, ihm wurden die Hände, die Unterarme abgehackt. Joseph Conrad hat in seiner Erzählung „Herz der Finsternis“ den Stationsvorsteher Colonel Kurtz in diesen Wahnsinn gestellt, der sein eigenes Regime errichtet und die Köpfe seiner Feinde pfählt. Seine letzten Worte „Das Grauen. Das Grauen“, sind wohl die wahrsten Worte, die er je ausgesprochen hat. In Coppolas „Apocalypse now“ Verfilmung heißen sie, auf englisch , “The horror, the horror”, gemurmelt vom fetten Marlo Brando, bevor er geschlachtet wird wie ein Opferstier.
Ich liebe dagegen Mark Twain, meiner Ansicht nach kann es nicht genug Standbilder von ihm geben. Mark Twain, der mit seinem „Huckleberry Finn“ 1885 eine eigene amerikanische Literatur begründet hat, dieser Sinfonie aus Gesängen und Slangs und wilder Natur und robustem Freiheitswillen und unendlicher Weite und den ich als Autor dieses – in seinem Rang (nach T.S.Eliot) nur mit der Odyssee vergleichbaren – Road Movies verehre , Mark Twain also hatte von dieser Kongo-Hölle gehört und wurde – völlig humorlos – zum bittersten Ankläger des Massenmörders.
Er schrieb ein beklemmendes Selbstgespräch des Tyrannen. Und er nutzte die für Fotografen soeben erfundene Rollfilm-Technologie, und sammelte Porträts der Opfer für eine Propaganda-Schrift.

Man kann ihnen in die leeren, verzweifelten, verängstigten Augen schauen, den Opfern und sieht ihre Arm- und Beinstümpfe. Twain plädierte dafür, dass dieser Leopold sofort gehenkt wird. Er dachte praktisch und robust wie alle Amerikaner. (Bei einem Besuch beim russischen Zaren, mittlerweile weltberühmt, musterte er den Herrscher über Millionen und fragte sich kurz, ob es ihm gelingen würde, “ihn mit einem Fausthieb niederzustrecken”. Seine geheime Schlussfolgerung: auf alle Fälle)
Selbst vor dem Allmächtigen hatte er keinen Respekt. Er stellte ihn zur Rede, nicht nur wegen Kreaturen wie Leopold, sondern weil er ihm vor der Zeit zwei seiner Töchter und seine Ehefrau nahm.
Ja, der lustige Mark Twain war auch Zyniker, Misanthrop, seine späte Prosa ist voller Bitterkeit. Er hielt nichts von Darwin, weil er eine Höherentwicklung zum Menschen als Krone der Schöpfung nicht erkennen mochte. Eher einen Abstieg. Aber nichts war so ernst, dass es sich nicht in einer Pointe auflösen ließ. Im Juni 1909 erlitt Mark Twain einen Herzanfall. Er witzelte, ein letztes Mal: „Die Zeitungen sprechen davon, dass ich sterbe. Das ist falsch. Ich würde so etwas niemals in meinem Leben machen.“ Im Jahr darauf starb er. Und überlebte damit das Scheusal Leopold um ein Jahr.
Ob ihm allerdings die “Black lives matter” -Bewegung Standbilder gönnen würde, lässt sich im Moment schwer sagen, denn auch Twains Huck Finn nimmt das “N…”-Wort verdammt oft in den Mund, sein Reisegefährte auf dem Floß Mississippi-abwärts heisst nun mal Nigger Jim, der mit ihm durchbrennt, wobei das N-Wort in einer britischen Neu-Ausgabe durch das korrektere Wort “Sklave” ersetzt wurde, wie ich gerade befriedigt feststellen durfte.

Jetzt sind wir doch ein bisschen abgetrieben.
Leopold II. ist nicht gehenkt worden, aber seine Statue ist nun mit roter Farbe und den Aufschriften „Gerechtigkeit“ und „Mörder“ verschönt worden. Ein Familienangehöriger hat sich gerade darüber empört und klargestellt, dass sein Urahn nie einen Fuß in den Kongo gesetzt habe (sowenig wie Hitler den seinen nach Auschwitz). Er hatte lediglich metzeln lassen und mit den Geldern ein prächtiges Brüssel errichtet. Paläste, Redouten, den Zoo und andern Quatsch.
Also, Kurz gesagt, ich konnte die Belgier ohnehin nie leiden. Bis auf Adamo, weil eine damals 14-jährige Freundin für ihn schwärmte und ich für sie. Man kann die Belgier eben nur über Umwege leiden. Okay, da ist die Schokolade. Die Muschelsuppe. Ja, Jacques Brel. Magritte, meinetwegen. Maigret, sicher. Aber dann sind wir schon bei Dutroux, dem Kinderschänder. Und den Islamisten von Moelebeck, den Mördern vom Bataclan.
Im übrigen scheinen sich die Belgier selber nicht so ganz sicher zu sein, ob es sie geben sollte, so als Nation. Sie kommen Jahrelang ohne Regierung aus. Und ihre “Landesprachen” sind aus Holland und Frankreich geliehen.
Das früher so strotzende Belgien traut sich heute nur noch mit seinen Nachbarn in die internationale Politik und nennt sich Benelux: Aber im Grunde besteht Benelux besteht doch nur aus den auch nicht sooo anständigen Niederländern (Rijkjaards Spucke gegen Völler!) Und das lux (torkelnder Steuergauner Juncker) kann man getrost vergessen. Man möchte auch Belgien vergessen, aber es lässt einen nicht. Wegen Brüssel.
Ich will es mal elaborierter formulieren: Scheißbelgien. (Mit Vorbehalt, s.0.)
Besonders aber Scheißleopold II.
Ich darf das sagen, denn ich bin Antirassist. Mein eigener Bundespräsident hat mich aufgefordert, Stellung zu beziehen, was ich hiermit gerne tue.
Schließlich ist Frank-Walter Steinmeier Oberhaupt eines Landes, das er zu lieben sich nur mit „gebrochenem Herzen“ traut, aufgrund seiner Verbrechen. (Was ihn angeht, er stand wegen der Herausgabe einer linksradikalen Publikation, die clandestin von der DDR finanziert wurde, unter Beobachtung des Verfassungsschutzes). Den amerikanischen Rassismus hat er nun – endlich das erlösende Wort, auf das die Weltöffentlichkeit gewartet hat – auf das Allerschärfste verurteilt. Und das, obwohl die Amis nur kurz einen König hatten, bis sie ihn loswurden und danach nur noch einen King, der hieß Elvis.
Allerdings: bisher kein präsidiales Wort zu Belgien. Aus Sorge um Europa? Nun, ich habe diese Sorge nicht! Ich muss keine Rücksicht mehr nehmen. Ich bin Journalist und Menschenrechtler. Also, wenn ich diesen Leopold auf der Strasse treffen würde, ich würde ihm zwischen Beine treten. Ich schätze, der alter Tattergreis mit seinem Popenbart und den klimpernden Orden würde sofort zusammenbrechen.
Und dann seinen Unterarm abhacken.
Oder seinen Standbildern die Arme absägen.
Das würde alle Nachahmungstäter wohl ein für all mal abschrecken.
Oder mit Blutfarbe “Schwein” draufpinseln.
Davon erhohlt er sich nicht.
Die Sau!

Kommentare 2

  1. Herrlich zynisch, ich mag das!
    Aber waren nicht alle Kolonialisten so, sind sie nicht alle mit ihren Sklaven so umgesprungen? Da gibt es wohl noch das eine oder andere “Denkmal der Geschichte “ vom Sockel zu stürzen.

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