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„Mein Leben ekelt mich an, ich bin meiner überdrüssig, aber deswegen ein neues Leben zu führen, ist doch ein großer Schritt“.
Dieses Zitat stellt Michel Houlllebecq seinem Roman voran, es stammt aus einem Roman des Decadence-Dichters Joris-Karl Huysman, es stimmt die Leser ein.
Ein Windstille-Satz. Ein Mann steckt fest, komfortabel verwahrlost. Ein neues Leben wäre, tja, ein verdammt großer Schritt.
Ein Satz, der im Ennui des Jahres 1895 genauso gültig ist wie in dem heutigen, wie in dem des Jahres 2022, in dem Houellebeqcs Roman spielt. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Tag zwei im C-Promi-Lager. Sara muss wieder zur Prüfung, scheitert und wird dennoch von den Mitinsassen getröstet. Fragt sich, wie lange deren Geduld hält. Eine andere weint sich schon in die Kissen.

Mittlerweile wissen wir aufgeklärten Christen ja, dass man die entscheidenden Wochen zwischen Weihnachten und Ostern nicht Fastenzeit nennt, sondern Dschungelcamp, was dem Vorläufer durchaus nahe kommen kann. Eine überschaubare Gruppe, Männer und Frauen, Schöne und Doofe und Dicke und alle irgendwas mit Medien – wahrscheinlich wollen deshalb heutzutage so viele genau das studieren – wollen in den Dschungel.

Im Grunde ist der Dschungel das perfekte Modell unserer Gesellschaft und die Gesellschaft wiederum ein Dschungel, oder, wie Sloterdijk sie einst definierte, “eine von medial induzierten Stress-Themen in Schwingung versetzte Sorgengemeinschaft”. Stress! Wir schwingen! Und machen uns Sorgen. Alles wie immer, und das ist erst mal ein gutes Zeichen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Nach der islamistischen Massaker fragt sich Matthias Matussek, wie es weitergehen soll mit dem Islam und uns: Weiter lügen, oder die Gefahr beim Namen nennen?

Da wir nun alle so „Charlie“ sind, so gratismutig im Angesicht des Todes, dieses blutigen Mordes in Paris, muss ich gestehen: Ich bin es nicht. Ich bin feige. Ich möchte nicht sterben.
Sicher, die frechen und nicht immer geistreichen Künstler-Angreifer des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hatten Mohammed beleidigt; nicht nur ihn übrigens, das sei hier kurz erwähnt, sondern auch immer wieder und durchaus eklig die Katholische Kirche, was mich allerdings bisher nie veranlasste, in ihren Büros mit der Kalaschnikow aufzutauchen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Licht an, Licht aus bei der Frage, ob die Deutschen feige sind gegenüber der islamischen Herausforderung. Unsere Autoren, der Katholik Matthias Matussek und die Protestantin Claudia Becker, streiten

Matthias Matussek: Liebe Kollegin, haben Sie sich auch so geschämt für unsere christlichen Kirchen und ihre feige Haltung zur islamischen Herausforderung? Dass Kardinal Woelki, neu in Köln, die Lichter des Doms abschalten ließ, weil Islamkritiker, meinetwegen auch Islamfeinde, demonstrieren wollten, fand ich bodenlos.

Claudia Becker: Ich bin heilfroh, dass es meine Kirche in diesem Fall nicht mit Luther hält, der den Islam als Bedrohung des christlichen Abendlandes betrachtete. Und ich bin froh, dass es überkonfessionelle Einigkeit gibt: Die Kirchen können gar nicht anders, als sich gegen Pegida auszusprechen und das Licht auszudrehen. Wer mit einem schwarz-rot-goldenen Kreuz marschiert, der hat im Religionsunterricht nicht aufgepasst – wenn er ihn überhaupt besucht hat. Eine Bewegung, die mit Ängsten vor dem Fremden spielt, die Hass schürt, die ist mit dem Christentum nicht vereinbar. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Ja, auch ich war ein Hippie – damals, als Jutta Getty die schönste Offenbarung seit LSD war. Ich fuhr mit dem VW-Bus bis nach Nepal und saß als Schmuggler in einem indischen Knast. Warum wir alle viel mehr Drogen nehmen sollten. Ein Bewusstseinsstrom.

Was für eine schöne letzte Szene der Blumenkinder: Rainer Langhans schlendert durch die indische Nacht mit seiner Lebensgefährtin Jutta Winkelmann, die mit dem Krebs kämpft und Angst vor dem Sterben hat, sie sind auf der Suche nach einem Meister, der ihr das dritte Auge öffnet, das Gelassenheit und Erkenntnis bringt und die verdammte Angst vor dem Tod nimmt. Sie schlendern über diese Erdpiste da, auf der Kumbh Mela, dem größten religiösen Festival der Welt in Allahabad in Uttar Pradesh. Eine Art Yogi- und Baba- und Wunderheiler-Jahrmarkt, Zelt an Zelt, Erleuchtung und Heilkraft, dicht an dicht wie Schiffsschaukel und Losbude, und sie sind auf der Suche nach einem Nachfolger für Rainers “Meister” Kirpal Singh, der ihn vor rund 40 Jahren initiiert hat. Ja, nach den antiautoritären Kommune-1-Jahren hatte sich Rainer Langhans eine neue Autorität gesucht, hatte sich dem Osten zugewendet, wie viele seiner Generation, die eine war, die nach Weisheit und Heilung suchte, Anfang der Siebzigerjahre. Diesen Beitrag weiterlesen »

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2015 wird sich der Islamismus, ähnlich wie vor ihm Stalinismus und Faschismus, immer stärker als neue totalitäre Bedrohung erweisen. Nur eine von vielen folgenschweren Entwicklungen. Ein Ausblick.

Man kann über uns Deutsche sagen, was man will, wir freuen uns gern mal, wenn’s passt. Aber auch, wenn’s nicht passt. Eine neue Umfrage zeigt: Mit 45 Prozent optimistisch gestimmter Bundesbürger ist das Vorjahresergebnis (44 Prozent) noch einmal getoppt und sind die Pessimisten mit 27 Prozent auf die Ränge verwiesen worden.

Unter den Jugendlichen ist der Anteil der Optimisten geradezu albern groß, hier sind es 50 Prozent, wofür es natürlich überhaupt keinen Grund gibt, denn auch dem letzten Hip-Hopper dürfte klar sein, dass das Wirtschaftsniveau der Elterngeneration kaum zu halten und an Arbeitsplatzsicherheit kaum zu denken ist und dass die Wohlstandswende so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Man kann über uns Deutsche sagen, was man will, wir freuen uns gern mal, wenn’s passt. Aber auch, wenn’s nicht passt.

Am 29. Juni 1914 kehrt Erzherzog Franz Ferdinand nach Wien zurück. Den Besuch in Sarajevo hat er wegen eines Attentatsversuchs frühzeitig abgebrochen. Der Erste Weltkrieg fällt aus, dito der Zweite. Bolschewismus und Faschismus, diese Kinder der europäischen Katastrophe, haben keine Chance. So imaginiert es Hannes Stein in seinem Roman “Der Komet”.

Unsere Welt ist nämlich nicht, wie die Anhänger großer Gedankensysteme meinen, das Produkt objektiv wirkender Kräfte, sondern im Großen wie im Kleinen, im Guten wie im Schlechten oft das Ergebnis banalster Zufälle und unvorhergesehener Ereignisse. Vulkanasche in der Atmosphäre führt zu Missernten – in Frankreich bricht 1789 die Revolution aus. Der Ölpreis fällt – 1989 kollabiert das sowjetische Imperium. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Man kann über uns Deutsche sagen, was man will, wir freuen uns gern mal, wenn’s passt. Aber auch, wenn’s nicht passt.

Eine neue Umfrage zeigt: Mit 45 Prozent optimistisch gestimmter Bundesbürger Deutschlands ist das Vorjahresergebnis (44 Prozent) noch einmal getoppt und sind die Pessimisten mit 27 Prozent auf die Ränge verwiesen worden. Unter den Jugendlichen ist der Anteil der Optimisten geradezu albern groß, hier sind es 50 Prozent, wofür es natürlich überhaupt keinen Grund gibt, denn auch dem letzten Hip-Hopper dürfte klar sein, dass das Wirtschaftsniveau der Elterngeneration kaum zu halten und an Arbeitsplatzsicherheit kaum zu denken ist und dass die Wohlstandswende so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Pegida, Putin, Rot-Rot-Grün: Im Osten herrscht Chaos. Hilft ein Besuch bei den Klassikern? Matthias Matussek sieht in Dresden und Weimar nach dem Rechten

Es ist ein merkwürdiges Geräusch in dieser Dresdner Nacht. Gemurmel. Und Schritte. Das Geräusch von Zigtausenden von Schritten. Ich treffe mich mit einem Dresdner Freund, aufgeschlossener Typ, Studium und Examina in New York, Vater von vier Kindern, CDU-Mitglied. Maximilian Krah. Irgendwann wird er im Bundestag sitzen, das hat er sich geschworen.

Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der sich seinen zu dieser Demonstration gleich mitgebracht hat, das hier fühlt sich an wie eine Mutprobe. Denn die Pegida gilt als Bodensatz der Demokratie. Hier marschieren, schweigend, “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes”. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Am kommenden Samstag zeigt das ZDF zum letzten Mal “Wetten, dass..?”. Unser Autor wettet auf eine Neuauflage

Natürlich wünscht man sich noch eine letzte angespitzte Wette. Vielleicht diese, mit Wettpaten Buschkowsky: “Wetten, dass es dem Kandidaten gelingt, zehn Berliner Dschihad-Rapper nur am Augenschlitz zu erkennen?” … nur ein Vorschlag, aber heutzutage versteht ja niemand mehr Spaß.

Machen wir uns nichts vor, “Wetten dass..?” verdient den Gnadenschuss, dieses Gesellschaftsspiel aus der Ära vor iPhone und Serien auf Knopfdruck. Kurz: aus der Ära des Fernsehens. Die Fernsehzuschauer der Nation (in der Mehrheit über 60) und die Medienkritiker (in der Mehrheit bösartig) nehmen schon seit Jahren Abschied und können doch nicht loslassen. Wie Kinder, die festhalten an dem, was sich bewährt hat. Die immer das gleiche Märchen hören wollen, aber werktreu bitte, keine Spinnereien, Papa. Kinder sind konservativ. Das teilen sie mit Programmchefs. Und dem Publikum über sechzig. Was einmal funktioniert, funktioniert immer. Diesen Beitrag weiterlesen »