Nun also der totale Lock-Down, im 15-Kilometer-Radius. Das Land lahmlegen, ohne jede nähere Untersuchung über Infektions-Cluster oder Altersgruppen, über differenzierte Hygieneregeln und mögliche Öffnung für Kleinbetriebe unter spezifizierten Bedingungen.

Die FAZ meldet zwar: „Bewegungsfreiheit eingeschränkt“. Aber in der Unterzeile kann sie verkünden: „Gespräche über mehr Impfstoffproduktion in Deutschland“

Schön, dass wir darüber reden. Immerhin Gespräche!

So schwer ist die Impf-Panne unserer pannenreichen Regierung übrigens nicht zu verstehen. Sie liegt weder im medizinischen, noch im organisatorischen Bereich. Nein, und das ist wichtig: Sie ist das Desaster einer Ideologie. Nennen wir sie vorerst: die Merkelei.

Der absurde Begriff des „Impfnationalismus“ überstrahlte das Schlachtfeld. Er bedeutete denen, die ihn handhabten wie eine Keule im politischen Nahkampf, dass es ein Fehler sei, wenn sich eine Nation vom Eigeninteresse leiten ließe.

Unter den über 200 auf dem Erdball vertretenen Nationen ist es besonders die deutsche, die davon Abstand nehmen möchte. Denn diese hat in einer über Generationen eingeschliffenen didaktischen Erinnerungsspur zwei Weltkriege zu verantworten, wobei über dem zweiten der düstere Schatten des Völkermordes liegt, also: Nie wieder Deutschland!

So buchstabieren diejenigen, die bei uns die Diskurshoheit halten und die Macht, die Grünen, die Linken, die Sozialdemokraten und seit Merkel auch die einst konservativen Christdemokraten die Lehre aus der Geschichte.

Nun ist allerdings fast hundert Jahre nach dem Sündenfall eine Politik, die das Wohl des eigenen Volkes hintanstellt, kaum überlebensfähig, auch wenn sie im Gesangbuch der sozialistischen Internationale so vorgegeben ist. Denn sie wird zerrieben zwischen Nationen, die sehr wohl ihre eigenen Interessen durchsetzen. Es ist diese Gewissheit, die bisher zu der durch Amtseid bekräftigten Verpflichtung führte, dem deutschen Volke zu dienen.

Wir müssen uns den Text noch einmal vor Augen führen, um den Abstand zu Realität zu ermessen: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“

Das ist sozusagen die Geschäftsgrundlage, auf der bei uns ein Kanzler, eine Kanzlerin, auch Angela Merkel gewählt wurde und wird.

 

Dass der französische Präsident trotz allen europäischen Getues die Interessen der „Grande Nation“ und der englische Premier ohne dieses Getue die englischen vertritt, versteht sich von selbst. Von den Großmächten USA („Make America great again“) und den entsprechenden chinesischen oder russischen Egoismen muss nicht erst geredet werden.

Nun läuft aber bei uns seit einigen Jahren ein schleichender Coup d’etat, ein leiser Staatsstreich der Eliten gegen das eigene Volk, die es für sich wohl mit den Worten Heinrich Heines einen „großen Lümmel“ nennen, dem der Kurs ins Glück erst eingebläut werden muss.

Berühmt ist Heines Sentenz aus dem „Wintermärchen“: „Franzosen und Russen gehört das Land. Das Meer gehört den Briten. Wir aber besitzen im Luftreich des Traums die Herrschaft unbestritten.“

Schon als sich die Republik in der Flüchtlingskrise einer grenzenlosen „Hypermoral“ (Arnold Gehlen) verpflichtete, weigerte sich die Regierung, den Nutzen des Volkes zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Nennen wir es weiterhin: Merkelei.

Auch in ihrer sogenannten Energiewende opferte die Kanzlerin eines kleinen Industrie-Landes, das für gerade mal 2 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich ist, die eigene Wirtschaft und damit Millionen Arbeitsplätze, um „mit gutem Beispiel voranzugehen.“ Wieder: Eine Merkelei sondergleichen!

Im Impfdrama nun hat es die Camarilla aus altlinken westdeutschen K-Gruppen-Phantasten und ostdeutschen SED-Propagandisten, kräftig unterstützt von einem ähnlich sozialisierten journalistischen Geleitschutz, geschafft, die elementarste Fürsorge für das eigene Volk zu vernachlässigen. Kein Impfstoff da!

Und das in einer Situation, in der man meinte, den Widerstand gegen Impfungen im Volke erst brechen zu müssen. Ja, wo die Impfbereitschaft wie das Tragen der Maske (die selbst Bayernlegende Hoeneß in seiner gähnend leeren Allianz-Arena einsam auf der Tribüne aufsetzt) als Ausweis der Regierungsloyalität gilt.

Eine Lage, in der selbst die Antifa, die sich mittlerweile als Merkels Prätorianer-Garde im Straßenkampf versteht, Flagge zeigt mit dem Spruch  – „Pandemie und trotzdem da – Durchgeimpfte Antifa“ – ein Motto, das nun als verfrüht und als ganz besondere Blüte der Merkelei und ohnehin als Satire gelesen werden darf.

Es ist das Verdienst des Focus-Kolumnisten Jan Fleischhauer, in diesem Merkelmatsch vernehmbar den Alarm ausgelöst zu haben. Seine Kolumne wurde an die 3 Millionen Mal geliked.

Er nannte Merkels verhängnisvolle Entscheidung, die Besorgung des Impfstoffes der Brüsseler Bürokratie zu überlassen, „die verheerendste Entscheidung der Kanzlerin in 15 Jahren Amtszeit“. Sie hatte die Sache in die Hände ihrer Freundin und EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen gelegt, die sie weiterschob in die Hände der Franzosen, die sie in einer bewährten Mischung aus Eitelkeit und Inkompetenz vermasselten.

Verheerendste Entscheidung Merkels? Nun ja. Aber immerhin: Im Wirbelsturm der Pandemie, aus Lockdowns und ad-hoc-verkündeten Ausgangssperren und überlasteten und kaum vernetzten Gesundheitsämter fehlte nun der Impfstoff!

Fleischhauer setzte auf Twitter nach: „Man wird viele Berichte über Angela Merkel in der Corona-Zeit nochmal ganz anders lesen“ und er bezog sich auf die SZ und die vielen anderen journalistischen Beiboote, die in regierungsamtlicher Mission unterwegs waren und eben jene als „Impfnationalisten“ beschimpften, die sich über diese Kanzlerinnen-Panne beklagten.

Die übrigens nicht nur eine der Kanzlerin ist, sondern eine des gesamten Establishments.  Da ist Wolfgang Schäuble, der von „gerechter Verteilung“ salbadert und ansonsten unverhohlen ausspricht, dass die Pandemie die Chance sei, unpopuläre Dinge wie die europäische Schuldenunion (zu Lasten Deutschlands) durchzusetzen.

Aber da ruft nun doch der Lümmel ‚Volk‘: halt, ihr da oben! Wir wollen keine Weltgerechtigkeit in diesem Moment: wir wollen unseren eigenen A… gerettet haben! WIR WOLLEN NICHT ZU GUTEN MENSCHEN ERZOGEN WERDEN – das besorgen wir aus eigenen Bordmitteln – SONDERN WIR WOLLEN EINE REALE INTERESSENVERTRETUNG. DAFÜR HABEN WIR EUCH GEWÄHLT!

Wenn die Politik das nicht kapiert, kann sie noch so tiefe Wassergräben um den Reichstag anlegen, dann ist der Bürgerkrieg in den USA nur ein Menetekel! (Auch dort übrigens schaute das linke Establisment ungerührt ihren Putztruppen aus Antifa und BLM zu, wie sie die Innenstädte verwüsteten, um sich nun über frustrierte Trumpanhänger zu echauffieren, die gegen einen womöglich korrupten Wahlsieger mit einem womöglich gestohlenen Wahlsieg demonstrierten – auch das Ergebnis in Georgia war verdächtig hauchdünn.)

Zum Beispiel trennen wir gerne und penibel den Müll, wenn das Schicksal des Planeten davon abhängt, aber wir wollen ein Regierungsmanagment, dass diese Anstrengung mit tatsächlichem und wirkungsvollem Recycling honoriert. Wir brauchen keine Merkels aus dem Osten, und keine Habecks oder Baerbocks aus dem Westmilieu, die nur das Beste für uns wollen – wir brauchen Politiker, die zwei und zwei zusammenzählen können.

Im Übrigen sind unsere Erzieher auch nicht gerade leuchtende Vorbilder. Man muss sich nur die zerkauten Finger unserer Regierungschefin anschauen. Pfui, das tut man doch nicht!

Oder den Skandalvor Augen führen, dass sich der Gesundheitsminister auf dem Höhepunkt der Pandemie eine 4,5 Millionen Villa im Grunewald leistet, die er mit günstigen Krediten seiner alten Croonies von der Stadtsparkasse seines Heimatörtchens finanzierte, während die von Linken kaputtregierte Stadt kaum bezahlbaren Wohnraum anbieten kann.

Pfui, tut man erst recht nicht!

Regte kaum noch eine Redaktion zu Protesten an. Aber  zur Impfkrise waren die üppig besoldeten Medienleute wieder als Hilfserzieher unterwegs. Die üblichen Verdächtigen wie Anne Will, die die pädagogische Pannen-Politik mit Applaus-Emojis unterstützte.

Oder Jasper von Altenbockum, dieser offensichtlich in die FAZ ausgelagerte Regierungssprecher, der das Wort von Jens Spahn, das Volk werde der Politik in Zukunft viel zu verzeihen haben, umkehrte und meinte, es sei die Politik, die dem Volk verzeihen müsse wegen dessen vereinzelter Unbotmäßigkeiten.

Mittlerweile aber gibt es Risse. Die Bild-Zeitung hat ihre immer noch beträchtlich dicke Dicke Berta auf die Regierungsbank gedreht, und skandalisiert zu Recht Drohungen des Merkelismus wie jene „wenn ich mal auspacke…“, die die Kanzlerin im Stil einer Mafiosa im Kreise der Ministerpräsidenten ausgestoßen hatte.

Die SPD wittert, dass das Leittier angeschossen ist und keilt aus wie der freche Zwerg mit schriller Stimme, die FDP fällt gemeinsam mit Merkel über Spahn her, der Nimbus der Scharf- und Hartmacher wie schwindet zusehends. Murren und Widerstand gegen die planlose Pandemie-Politik, gegen Geschäftsschluss-Brutalität Restaurantbetreibern gegenüber, oder Einzelhändlern oder Künstlern.

Die Begründung dafür liefert der ziemlich herrschaftsdumme Söder: „Wenn wir den Leuten jetzt bereits ihr normales Leben zurückgeben, sinkt die Impfbereitschaft noch weiter.“ Da ist schon sprachlich ein Stil eingerissen („ihr normales Leben zurückgeben“), der die Arroganz der Macht, die ihr der Ausnahmezustand verleiht, grimmig genießt.

Vorgemacht hat es die Kanzlerin, wie Klaus Rüdiger Mai auf Tichys Einblick schrieb: „Wenn die Bürger nicht so wollen, wie die Kanzlerin es möchte, dann ist dies nicht mehr ihr Land. Wenn eine demokratische Wahl nicht in ihrem Sinne verläuft, muss sie rückgängig gemacht werden. Es mag sein, dass Angela Merkel sich durch „Diskussionsorgien“ in ihrer erhabenen Höhe belästigt fühlt…“usw.

Mittlerweile rücken alternative Medien wie „Tichys Einblick“ oder Peter Webers „Hallo Meinung“ ins Blickfeld der etablierten Presse, nämlich in der durchaus vernünftigen Überlegung, dass man die Leser, die man in der selbstverordneten Beißhemmung an jene verloren hat, schwerlich zurückgewinnt.

Die Abrechnung mit der Merkelei hat begonnen. „Ein Publikum“, schrieb mein einstiger Ressortkollege Andreas Rosenfelder in der Welt, „das oft ein liberales und urdemokratisches Weltbild mitbringt, die liberale Demokratie in der Krise aber nicht mehr wiedererkennt, wird nicht einfach wiederkommen, wenn die Impfung läuft“.

Zwar nennt auch er die alternative Konkurrenz beflissen ein „Dunkelfeld“, gesteht aber ein, dass dieses Feld den Lesern Perspektiven bietet, die „ihnen der Mainstream als vernünftige Option verweigert“, und vielfach abweichende Meinungen einfach verteufelt und als rechtsextrem denunziert wie in einem Überwachungsstaat nach Orwells „1984“, der damit die Knechtung im Stalinismus eindringlich übersetzte.

Man bedenke: Mittlerweile haben 70 Prozent des Volkes Angst, auszusprechen, was sie denken. Die Presse hilft ihnen kaum: Dass die einen Journalisten einen Skandal aufdecken, den die anderen Journalisten regierungsfromm eilig wieder verspachteln, das ist tatsächlich einzigartig. Unser einst stolzer Berufsstand ist bis zur Schamlosigkeit sediert.

Aber die Front bröckelt. Selbst Haltungsjournalist Georg Restle stellt sich quer. Widerstand gegen die Merkelei. Das ist doch immerhin schon ein Anfang. Nun sollte auch der Spiegel den Mut finden, das Feiern der eigenen Rechercheleistung nicht ihrem einstigen Kollegen Fleischhauer im Focus zu überlassen.

Doch auch der macht durchaus Fortschritte.

Noch vor geraumer Zeit hatte er mich einen „Fall für die Klapsmühle“ genannt, weil ich auf einer „Merkel muss weg“-Demo sprach. Nun tut er das Gleiche am Schreibtisch im gepolsterten Sessel – ja, er ist doch nicht blöd!

Auch wenn ich mittlerweile dafür kritisiert werde, dass ich mit ihm befreundet war, ich verzeihe ihm.