**Jeden Abend wird auf dem amerikanischen Sender Fox der verwirrten Linken die Messe gelesen. Von rechts. Unter Spott und Hohngelächter. Gastgeber ist Quotenkönig Greg Gutfeld.**
Wenn der mächtigste Mann der Welt plötzlich auf die Bremse tritt und eine Schubumkehr der bisherigen Politik der Vereinigten Staaten anordnet, also: Raus aus der linken Agenda mit ihrem Klimawahn und den offenen Grenzen, Kampf dem Multigender-Quatsch, der terroristischen Antifa und der ideologischen Zensur im Netz, dann hat das Wirkung. Das Schönste daran ist, dass die Wähler Donald Trump ausdrücklich und überwältigend genau damit beauftragt haben – mit einer Rückkehr zum gesunden Menschenverstand.
Die Linke steht kopf. Sie sieht ihre Felle davonschwimmen. Sie kann nur noch «Hitler» schreien oder «No Kings» und radikalisiert sich in ihrer Verliererwut. Sie hat den Kulturkrieg verloren. Und nun sagen sich die jungen oder weniger jungen rechten Wilden: Wieso sollten wir heiliger sein als die Gegenseite? Warum sollen wir nach den Regeln kämpfen, während uns die Gegenseite in den Unterleib schlägt? Warum nicht wenigstens vors Schienbein treten?
Jeden Abend um 22 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit wird auf dem Sender Fox der verwirrten Linken in den USA die Messe gelesen. Von rechts. Unter Spott und Hohngelächter. Dann nämlich begrüsst der Quotenkönig der Late-Night-Shows, Greg Gutfeld, sein Publikum, das rast vor Begeisterung. Während die bisherigen Sender-Platzhirsche ABC, NBC und CBS Mühe haben mit den geänderten Kampfbedingungen, schiesst Fox besonders in der Zielgruppe der Jungen (18 bis 49 Jahre) an die Spitze. Was insbesondere einem Mann zu verdanken ist: Greg Gutfeld. Der Mann ist verhältnismässig klein mit seinen 1,65 Metern, und doch ist er in seinem Geschäft der Grösste, denn er besteht aus 165 Zentimetern Witz und Bosheit und Spott und Verachtung für jene Spinner, die offene Grenzen befürworten oder Männer im Frauensport und anderen woken Klimbim.
Wenn der gescheiterte Trump-Attentäter vom White House Correspondents’ Dinner ein Manifest hinterlässt, das sich liest wie eine Greatest-Hits-Ausgabe von Trump-Hassern, dann liegt es daran, dass er genau das zusammenschrieb, was dort behauptet wird: Trump sei ein «Pädophiler» und «Vergewaltiger» und ein «Verräter». Besonders bei Filmstars kommt das an. Robert De Niro will Trump ins Gesicht hauen, Johnny Depp erinnert daran, dass ein Schauspieler Abraham Lincoln getötet hat, und Madonna will das Weisse Haus in die Luft jagen. Da sagt selbst die Szene-Jugend: Trump, was für eine coole Sau! Obama dagegen: Pausennummer.
Von Gutfeld längst abgehängte Talkshow-Hosts wie Jimmy Kimmel oder Stephen Colbert bestreiten ihre Programme hauptsächlich mit ermüdenden Attacken gegen Trump. Sie alle spielen die ominösen «Zwei Minuten Hass» nach, die der Grosse Bruder den Untertanen in Orwells Dystopie «1984» verordnet («Wir hassen Goldstein») – nur dass sie sich nicht an die Zeitbegrenzung halten. Oder an irgendeine andere Begrenzung, womit wir bei der Diktator-Beschimpfung wären! Konsequenz ist nicht die Stärke der Linken. Gerade hatte sie die gewaltigen «No Kings»-Demonstrationen gegen Trump auf der Strasse mobilisiert, und kurz darauf jubelte sie dem britischen König Charles III. zu und dessen Bemerkung über die Kontrollmechanismen der amerikanischen Demokratie, als sei die in Gefahr. All das sind natürlich Themen für die Gutfeld-Show.
Erst recht das Attentat auf Trump, das Gutfeld in seinem Eröffnungsmonolog so einführte: «Guten Abend allerseits. Das White House Correspondents’ Dinner geriet in Chaos, nachdem ein verrückter Schütze zum Sicherheits-Checkpoint stürmt und das Feuer eröffnet hatte. Der Mann wurde sofort gepackt, zu Boden gerissen – und bekam sein eigenes Prime-Time-Format bei CNN angeboten.» Cooler geht es nicht – und er legte nach: «Gute Nachricht allerdings: Nancy Pelosi war sicher, weil sie ein kugelsicheres Gesicht trug.» Dazu wird das mehrfach geliftete Maskengesicht der Demokraten-Chefin Nancy Pelosi gezeigt. Weiter: «Auf Nachfrage sagte Joe Biden: ‹In Zeiten wie diesen bin ich froh, dass ich schon tot bin.›» Zeugen berichteten von mehreren Schüssen, also *shots*, was auch der Ausdruck für ein Glas Whisky ist. «Hat da jemand ‹mehrere *shots*› gesagt?», fragte eine Frau. Dazu dann das Gesicht der kichernden Kamala Harris, die während ihrer merkwürdigen Wortsalate im Wahlkampf oft beschwipst wirkte. Gutfeld weiter: «Der Anschlag fand im D.C.-«Hilton» statt – genau dort, wo Reagan angeschossen wurde. Für das verschobene Event in einem Monat suchen die Organisatoren daher einen Ort mit geringerer Schusswaffengefahr – zum Beispiel Beirut.»
Seine Sendung, die längst Kultcharakter hat, bestreitet Gutfeld mit einer Runde von weiteren vier: Da ist Kat Timpf, eine libertäre Bestsellerautorin, klein und zart, gerade Mutter geworden, eine gutgelaunte Spötterin, verheiratet mit einem GI, neben ihr der Schrank Tyrus, ein Wrestling-Champion und Stand-up-Comedian, dazu oft Lisa Kennedy, eine einstige MTV-Moderatorin mit eigener Radioshow, oft auch Emily Compagno, ausgebildete Juristin, schnell wie ein Maschinengewehr und ähnlich scharf, womit noch nichts über ihr hinreissendes Äusseres gesagt ist. Sie zählte ebenfalls zu den Gästen des Dinners im «Hilton». «Warum», wurde sie von Gutfeld gefragt, «hast du den Attentäter nicht erschossen?» Compagno lacht: «Ich hab ihn mit meinem tödlichen Blick erledigt.» Das ist so die Tonlage.
Dann stellt Gutfeld die Frage der Fragen zu all den Trump-Attentaten und beantwortet sie gleich selber: «Wenn man dreimal beschossen wird, muss man sich respektvoll fragen: Warum passiert das immer wieder mir? Trump hat eine tolle Antwort gegeben, aber das ist nur ein Teil des Grundes, warum er ins Visier genommen wurde. Er ist einfach der furchtloseste, handlungsstärkste Präsident aller Zeiten.» Nun, es gab andere. Abraham Lincoln zum Beispiel wurde von einem durchgedrehten Schauspieler nicht nur, wie Robert De Niro es will, geschlagen, sondern erschossen. Trump dazu: «Diese degenerierten Idioten gehen nur auf Leute los, die tatsächlich etwas bewirken.» Und das, so Gutfeld, trifft auf Donald Trump mehr zu als auf seine Vorgänger Obama oder Biden. Tatsächlich: Trump, der Quereinsteiger aus der Baubranche, hat den Linksdrift in Washington nahezu im Alleingang beendet. Umgeben von einem hochqualifizierten Team, hat er es sogar mit dem Terrorstaat Iran aufgenommen und dessen Nuklear-Kapazitäten zerstört. Denn auch das gehörte zu seinen Wahlkampfversprechen. Schon als er seine erste Kandidatur verkündete, damals, am 16. Juni 2015, auf der Rolltreppe in seinem goldenen Trump Tower, sprach er davon.
Greg Gutfelds Show war die einzige, die Trump während seines siegreichen Wahlkampfes zur zweiten Amtszeit mit seiner Anwesenheit beehrte, wie immer äusserst souverän. Auf die Frage von Gutfeld, ob er den zweiten Attentäter, den auf dem Golfplatz, nicht mit einem Dreier-Eisen aus dem Spiel hätte nehmen können, meinte der Präsident lachend: «Wahrscheinlich ja», nur um gleich von dem Beamten zu schwärmen, der den Täter erledigte. Auch den Typen in Butler, der auf einem Flachdach liegend auf ihn geschossen hatte, hätten sie aus 200 Yards mit einem Schuss genau zwischen die Augen erledigt. «Unfassbar», sagte der Mann anerkennend, nachdem ihm der Attentäter das Ohr weggeschossen hatte. Da sagt sich doch selbst die Szene-Jugend: Was für eine coole Sau! Da ist das vorgespielte Hipstertum Obamas im Rückblick nur noch eine merkwürdig verblendete Pausennummer und Stillstand.
Trump hat während des Wahlkampfes Wrestling-Kämpfe besucht, als McDonald’s-Aushilfe gearbeitet und zur Schwulenhymne «YMCA» der Village People getanzt. «Melania mag das überhaupt nicht, sie meint, das sei nicht präsidential», rief er auf einer Massenveranstaltung und lachte. Weil er weiss, dass die Leute genau das mögen: dass er nicht präsidential ist, sondern sich ständig auf die Schulter klopft wie ein vulgärer, blattgoldverliebter Baulöwe, der die Sprache der Baubude spricht. Genau die Mimik, die die linke Salon-Intelligenz regelmässig aus der Fassung bringt. All diese Sachen, auch die jüngste Erläuterung eines möglichen schrecklichen Atomschlags der bösen Buben in Teheran vor Halbwüchsigen im Oval Office, eine durch die Bank überhaupt nicht kindergeeignete Nummer, zitiert Gutfeld lachend in dem Programmteil «Donald Trump – wir haben ihn nicht verdient».
Nicht zu Unrecht nennt Trump die ihm feindlich gesinnten grossen Fernsehanstalten und Medienhäuser «fake», also Fälschung. Der Sender CBS zum Beispiel hatte ein Interview mit Kamala Harris zu ihren Gunsten verändert, weil der von ihr produzierte Wortsalat nicht sendetauglich war. Allerdings mischen auch ausländische Fernsehanstalten kräftig mit. Die BBC hatte eine Rede zum sogenannten Sturm aufs Kapitol so zusammengeschnitten und dessen Aufruf zu einem «friedlichen und patriotischen» Protest unter den Tisch fallengelassen, weil es nicht zu dem Narrativ passte, Trump als Aufrührer in den Senkel zu stellen – der Sender entschuldigigte sich zwar, eine Milliardenklage ist dennoch anhängig.
Gutfeld gehört zu einer neuen Generation von rechten Moderatoren, die diese Unwucht bekämpfen, mit Witz und Gelächter. Eine neue rechte Popkultur stellt sich es da vor. In Europa kommt ihm, soweit ich es übersehe, da nur Mahjar Tousi in London nahe, der hier bereits vorgestellt wurde («Der Ayatollah, eine Maus!», *Weltwoche* Nr. 12/26). Doch man kann Gutfeld mit seinen über drei Millionen Zuschauern durchaus als Paten der neuen rechten Comedy-Szene bezeichnen. Er zieht ein junges Publikum an, das das linke Gequatsche satthat – in der Gruppe der 18- bis 49-Jährigen liegt er unangefochten an der Spitze. Sein Aufstieg dorthin war ein einziges vorbildliches Überlebenstraining, er hat noch jedes Nest beschmutzt, das ihn aufnahm. In anderen Worten: Er ist ein Satiriker und Spötter aus Passion.
Sein Einstieg, nach einem Studium der englischen Literatur an der Berkeley University, war der Print-Journalismus, ein einziger Hürdenlauf. Autor beim Gesundheitsmagazin *Prevention*, gefeuert, dann Chefredaktor bei *Men’s Health*, gefeuert, weil er die Verlagsspitze verspottet hatte. Dann das *Stuff*-Magazin, wo er die Auflage von 750 000 auf 1,2 Millionen hochschraubte und trotzdem gefeuert wurde, weil er sich eine missglückte Werbeaktion mit Zwergen hatte einfallen lassen. Schliesslich *Maxim UK*, ebenfalls gefeuert… 2006 galt er als «unemployable», als nicht anstellungsfähig, er war verbrannt, worüber er sich jüngst in Jimmy Fallons Talkshow amüsierte. Es folgte ein kurzes Zwischenspiel bei der *Huffington Post* – wo er seine linken Kollegen mit «gutgelauntem, oft irrsinnigem Hohn» überzog.
Gutfeld predigt nicht. Er sticht zu. Die Bücher, die er zwischendurch auf den Markt warf, tragen Titel wie «Die Freude am Hass: Wie man die Heulsusen im Zeitalter der künstlichen Empörung besiegt». 2007 kam der Berg zu Fox News: «Red Eye w/Greg Gutfeld» – die Drei-Uhr-nachts-Show, die zum Kult wurde. Eine Mischung aus Talk, Satire und purem Chaos. 2011 Co-Host von «The Five», dem Quotenhit um 17 Uhr. 2015 «The Greg Gutfeld Show» samstags. Und seit März 2021 «Gutfeld!» wochentags um 22 Uhr. Bald nannte ihn der *Weekly Standard* den «gefährlichsten Mann im TV».
Sein Format? Monologe, Einspieler wie das «Video der Woche», Panel mit Gästen wie Kat Timpf, Tyrus oder Fox-Moderatorin Dana Perino, Sketche und das, was Gutfeld am besten kann: aktuelle Ereignisse in blutige, witzige Fetzen reissen. Kein moralischer Zeigefinger. Kein «Wir müssen alle besser sein». Sondern: «Schaut euch diese Clowns an – und lacht mit mir.»
Gutfelds Humor ist nicht nett. Er ist persönlich. Er ist beleidigend. Und genau deshalb funktioniert er. Wo Colbert stundenlang über Trump schimpft und dabei so lustig ist wie ein nasser Waschlappen, nimmt Gutfeld die Linke auseinander wie ein Metzger ein Hähnchen. Gehässig? «Ja», sagt Gutfeld. «Aber harmlos. Im Gegensatz zur Linken, die sagt: ‹Ihr seid Nazis, Rassisten, Faschisten – und deshalb dürft ihr keine Plattform haben.›» Gutfeld erklärt das immer wieder: «Die Rechten waren fair. Sie haben argumentiert. Die Linken haben nicht gewartet. Sie haben die Nazi-Keule gezogen, die schlimmste Beschimpfung überhaupt, weil sie jede Diskussion beendet. Nazi-Dies und Nazi-Das.» Dann mit einem Grinsen: «Leute, ich hab den Verdacht, dass sie uns nicht mögen.» Um anzufügen: «Und das ist auch gut so.»
Mittlerweile gibt es Gutfelds Eröffnungsmonologe in Buchform. Jüngst sinnierte er erneut über die mangelnde Toleranz der Linken anlässlich einer Statistik, nach der es zu 67 Prozent Demokraten seien, die Freundschaften aus politischen Gründen kündigten, gegenüber nur 27 Prozent auf Seiten der Republikaner, «wahrscheinlich nachdem sie Nazi genannt wurden». «Warum sind die Linken so intolerant, obwohl sie sich immer als die Offenherzigen darstellen?», fragt er rhetorisch. Und gibt die Antwort: «Sie schreiben politischen Ansichten einen moralischen Wert zu. Deshalb sind Rechte eher bereit, mit Linken befreundet zu bleiben – sie halten sie für ‹verwirrt›, nicht für böse.»
«Gutfeld!»: Fox News. Montag bis Freitag.
Quelle: Weltwoche
Kämpfen Sie mit!
Wie Sie sicher gesehen haben, kommen meine Beiträge ohne Werbung aus. Daher: wer mich in meinem Kampf gegen eine dumpfe Linke, die auf Binnen-Is und Gendersternchen besteht, aber Morddrohungen nicht scheut, unterstützen möchte, besonders für allfällige gerichtliche Auseinandersetzungen, kann es hier tun.
