Lieber Cem Özdemir

Sie haben die Wahlen in Baden-Württemberg hauchdünn gegen Manuel Hagel, diesen substanzlosen Jugend-Avatar einer substanzlosen CDU, gewonnen. Ihr Vorgänger Winfried Kretschmann, einst Lehrer unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und Kader einer maoistischen Splittergruppe, hatte überzeugendere Siege eingefahren. Wie er gehen auch Sie, einst Sonderpädagoge, gegen den Verbrennermotor vor.

Lustig, ich war in den 1970ern mit der Tochter des Personalvorstands bei Daimler-Benz liiert, sie war meine erste grosse Liebe. Das Abendessen in der Tatort-Villa des wackeren Mannes, der sich hochgearbeitet hatte und stolz war auf sein erfolgreiches, ja bahnbrechendes Ausbildungsprogramm für Jugendliche, wurde zum Desaster.

Ich hatte ihm, als Aktivist der «marxistisch-leninistischen Schülergruppe», der Jugendorganisation von Kretschmanns Truppe, höflich auseinandergesetzt, dass er eigentlich ein Ausbeuter sei, und ihm über Teewurst und Butterbrezeln die marxsche Mehrwerttheorie erklärt.

Obwohl ich sehr geduldig war, bekam er einen Tobsuchtsanfall, mit Recht. Er wollte mich sofort vor die Tür setzen, nur die Tränen von Frau und Tochter, dieser hinreissenden Hippie-Prinzessin, hinderten ihn daran. List der Geschichte: Ein halbes Jahrhundert später hat die Revolution doch noch gewonnen, mit Hilfe jener Grünen, die sich Maoisten wie Winfried Kretschmann Anfang der 1980er als neue Wirtstiere für ihre Umsturzfantasien ausgesucht hatten. Und das durchaus erfolgreich, denn selbstverständlich führt das grüne Programm zur «Zerschlagung des Kapitals» – und das per Stimmzettel! Der Gewinn von Daimler-Benz ist um die Hälfte eingebrochen.

Sie gelten als Realo unter den Grünen, lieber Cem. Wenn Sie wirklich einer wären, würden Sie sofort aus dem Klima-Voodoo aussteigen und das Programm des damaligen Personalvorstands bei Daimler-Benz fortführen. Der aber ist heute höchstwahrscheinlich selber grün – was für ein vertracktes Hütchenspiel.

Mit freundlichen Grüssen
Matthias Matussek

Quelle: Weltwoche



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