Lieber Sir Keir Starmer
Zeigen, wie man loslässt: Premier Starmer.

Es gibt diesen Film mit dem Titel «Dead Man Walking». Das ist der Ruf, der ertönt, wenn ein zum Tode Verurteilter zur Hinrichtung geführt wird: Er ist der Tote, der noch laufen kann. Ein schreckliches Bild, das aber Ihre politische Situation spiegelt. Allerdings weigern Sie sich, nach Ihrem Desaster bei den Kommunalwahlen zu gehen.

Noch kleben Sie an Ihrem Sessel, während Sie versuchen, Aufstände in Partei und Ihrem eigenen Kabinett abzuwehren. Sie nehmen vorweg, was unserem deutschen Kanzler blüht, der selbst Ihre Umfragewerte noch unterbietet.

Ihr Argument: Sie wollen für Stabilität sorgen und sich auf den Kampf gegen rechts konzentrieren. Dort nämlich wartet Nigel Farages Partei Reform UK. In Deutschland ist es die AfD, die sich auf einen Macht- und Richtungswechsel vorbereitet.

Sie, Sir Starmer, nehmen also die deutsche Situation vorweg, inklusive eines Kanzlers, der sich ebenfalls am Türrahmen festkrallt, während bereits die Packer unterwegs sind. Wer von Ihnen beiden die stärkeren Muskeln und Nerven hat, ist noch offen.

Fest steht, dass die beiden einstigen Volksparteien ohne stimmigen Kompass unterwegs sind. Die Konservativen hatten mit Gender-Klimbim und strenger Klimapolitik vergeblich eine Art «Modernisierung» versucht. Labour indessen hat nach dem schrillen Antisemiten Jeremy Corbyn mit Ihnen einen Aktenordner aufgeboten, dem man immerhin Redlichkeit attestierte. Allerdings interessiert das keinen Arbeiter mehr in Zeiten von Massenimmigration und Pleitewelle, die überall dort rollt, wo Apparatschiks wie Sie dem Klimawahn folgen.

Es war Tony Blair, der einst mit «New Labour» und «Cool Britannia» Industriepolitik durch Pop ersetzte und eine Scheinblüte der traditionellen Sozialdemokratie schaffte, pure Insolvenzverschleppung, denn die ist historisch überlebt. Nicht Sie haben die Partei zertrümmert, sondern die Geschichte selber, die radikale Neuaufstellungen verlangt.

So, und jetzt zeigen Sie bitte unserm Kanzler, wie man loslässt.

Mit freundlichen Grüssen
Matthias Matussek

Quelle: Weltwoche



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