Lieber Ferrari

Wirst du jetzt tatsächlich woke? Früher war alles klar. Du warst rot wie Lippenstift, hattest acht oder zwölf Zylinder, die brüllten wie ein Rudel paarungswütiger Löwen. Der Ferrari 488 GTB – was für Baulöwen und Dealer, Zuhälter und Fussballprofis.

«Macho», sagten die einen verächtlich, möglicherweise respektvoll. «Arschloch», die anderen, beide ehrlich. Beide richtig.

Der Wagen fauchte, röhrte, verbrauchte Sprit wie ein Junggeselle Kondome und hinterliess eine Duftnote aus verbranntem Super plus und ungefiltertem Testosteron.

Nun also der Tag der Wahrheit. Der Tag des Markentodes. Denn er ist der Tag des leisen Surrens unter dem Klimajoch der Grünen. Welcher Sportwagenfahrer will auf seinen Verbrenner verzichten?

Der Ferrari Luce – im Verkaufsraum wahrscheinlich eine junge Frau mit Kurzhaarschnitt und Pride-Pin, strahlend: «Der ist so leise, Sie hören endlich sich selbst!» Genau das ist zu befürchten. Man setzt sich doch in ein solches Geschoss, um vor sich selber abzuhauen!

Das Serienmodell gibt es ab zirka 550 000 Euro… Ein lautloser Ferrari! Mit sanften Rundungen. Eine Akku-Bank auf Rädern. Aber soft und babyblau. Leise wie ein automatischer Lift.

Spott und Hohn im Netz, der Luce gilt als perfektes Vehikel für ein Coming-out. KI-generierte Filmchen lassen den Papst dem Luce entsteigen und lachend sagen: «Ich bin schwul.» Ebenso Sylvester «Rambo» Stallone. Bunte Luftballons und der Werbespruch: Der Luce verwandelt. In Kichern und Lust und Laune.

Es ist fast so, als ob die Satiren den früheren *Weltwoche*-Autokolumnisten Ulf Poschardt zitieren, Luce-Fan («Revolution der Distinktion»), der einst dekretierte: Um gegen Donald Trump zu bestehen, müssten wir alle «kreativer» und «schwuler» werden.

Etwa auch die Autos?
Vorerst brach der Aktienkurs um 8 Prozent ein.

Mit freundlichen Grüssen
Matthias Matussek

Quelle: Weltwoche



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