Lieber Erfan Soltani

Ich hoffe, dass Sie leben – Sie waren im Iran unter den aufständischen Jugendlichen, die ins Gefängnis geworfen worden sind, genauer: in den Todestrakt, wo Sie im Schnellverfahren abgeurteilt wurden, wegen «Gotteslästerung».

Nun dachte das Mullah-Regime offenbar einen direkten Draht zum Allerhöchsten, den es Allah nennt, zu geniessen, doch es beginnt ihm zu dämmern, dass die Leitung empfindlich gestört ist: Dieser Jugendaufstand ist kein linker, sondern ein patriotischer und antiislamischer. Die Jugendlichen brennen die Moscheen nieder, die ohnehin nur noch als Waffenlager für die Revolutionsgarden dienten.

Die Jugend protestiert gegen die islamische Besatzung, die sich 1979 mit der Rückkehr des Ajatollah Chomeini etablierte, mit dieser düsteren Mischung aus Mystik und Stalinismus, aus Endzeit-Erwartung und Terrorismus im «anti-imperialistischen Kampf» – die Greise waren daran, Sie und die Jugend des Landes für ihren religiösen Wahn zu opfern.

Dies ist der vierte Aufstand in zehn Jahren, und er wird – Sie sind der Beweis – mutig unter Einsatz des Lebens geführt. Sie und Ihre Freunde nehmen nicht länger hin, dass unter dem Diktat des Islam Menschen erschossen und gefoltert werden, Frauen unter den Hidschab gezwungen, die Wirtschaft und die Zukunft des Landes erdrosselt werden.

Schliesslich war es die Drohung Donald Trumps, die Ihnen vorerst das Leben rettete, Sie sollten öffentlich gehenkt werden. Trump gab dem Aufstand neuen Aufwind, mittlerweile ist der Ajatollah Chamenei mutmasslich auf der Flucht, Revolutionsgarden wechseln die Seite, Kleriker vertauschen ihre Turbane gegen Zivilkleidung, um sich nicht der Wut der Strasse auszusetzen. Nun ist der Sohn des einst berüchtigten Diktators Schah Reza Pahlavi zur Symbolfigur eines demokratischen Neubeginns geworden; was für ein verrückter historischer Loop.

Endlich gehört das Reich des Bösen der Vergangenheit an, die Jugend gewinnt diesen Aufstand, die Welt kann aufatmen, dank Männern wie Ihnen.

Mit dem allergrössten Respekt Ihr
Matthias Matussek

Quelle: Weltwoche



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