Apr 12 2010

Zur Diskussionsrunde bei Anne Will

Category: AllgemeinMatussek @ 17:04

WillWie lässt sich im öffentlichen Raum über den Glauben reden in dieesen Zeiten, wie lässt sich über die Kirche reden, ohne dass es verrutscht?
Natürlich haben Kirchenvetreter Unrecht begangen, diejenigen, die sich an ihren Schutzbefohlenen vergriffen haben, und auch diejenigen, die solche Handlungen vertuscht haben. Wie selbstverständlich ist es also, zu sagen: wir müssen dafür uns entschuldigen, und zwar die ganze Kirche.
Ich habe darauf hingewiesen, dass genau das geschehen ist: In den Karfreitagsfürbitten, also im innersten Kern der Lithurgie am heiligsten Tag des Kirchenkalenders. Alle knieten sich da hin. Sicher hätte sich auch der Papst Ostern dazu äußern sollen, und ich war darüber enttäuscht, dass er es nicht tat.
Aber man kann die Katholische Weltkirche nicht auf das Problem des Missbrauchs reduzieren.
Ich habe die Weltkirche kennengelernt, in Brasilien, in New York, in London, wo ich als Korrespondent gearbeitet haben. Starke Gemeinden, glühende Gemeinden. Da draußen gibt gibt es andere Probleme als in übersatten Komfortgesellschaften wie bei uns: Armut, brennende Ungerechtigkeit, Krankheit, Tod. Überall sind katholische Priester im Einsatz. Sie begleiten die Sterbende, sie helfen den Pennälern, sie trösten die Einsamen.
Und dann sitzt Du da und hörst Dir an: Die Kirche ist voller Päderasten. Der Zölibat zieht Perverse an. Die Kirche besteht zu vierzig Prozent aus Schwulen. Der Mann an der Spitze trägt Frauenkleider. Und Du kannst das erst mal nicht fassen.
Noch einmal: Ich glaube nicht daran, dass es einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie gibt, und ich kenne keinen Fachmann, der das behauptet.
Ich glaube im Gegenteil, dass der Zölibat diese Verbrechen eher verhindert, weil er eine zusätzliche moralische Sperre aufrichtet. Es ist viel eher die kirchenfeinliche Partei der Gegenseite, die humanistische Union, der Grünen-Politikerinnen wie Claudia Roth und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberg angehören, die noch in den 80-er Jahren umstandsfreien Sex mit 12-Jährigen propagierte. Es ist gewaltig viel Verlogenheit im Raum, und jeder eifernde Idiot, der schon immer gerne auf der Kirche herumtrampeln wollte, darf es nun unbefangen tun.
Die Frage um das Zölibat ist schwierig und auch für mich noch nicht restlos beantwortet. Das Zölibat, machen wir uns nichts vor, ist eines der letzten Alleinstellungsmerkmale des Katholizismus im vergleich zum Protestantismus. Ich sehe im Zölibat eine Aufwertung des Priestertums, ein unalltägliches Opfer, eine imponierenden Einspruch gegen die Kultur der schrankenlosen Bedürfnisbefriedigung.
Auf der anderen Seite sehe ich, dass es über kurz oder lang nicht zu halten ist. Ich glaube aber, dass es über dieser Frage zur Kirchenspaltung kommen wird. Das Zölibat wird fallen, die Traditionalisten werden sich abspalten, und der Rest treibt in Richtung Protestantismus und Lindenstraße davon. Und selbstverständlich wird es dort auch Priesterinnen geben, Klampfen-Gottesdienste, Rockertrauungen und Kegelausflüge mit Gebets-Picknick, und alle werden die katholische Kirche endlich da haben, wo sie sie haben wollten: im bequemen, harmlosen Freizeit-Nichts.

Lesen Sie dazu auch noch meinen Artikel auf SPIEGEL Online vom 27. März 2010 mit dem Titel “Warum ich nicht austreten kann”.


Apr 09 2010

Diskussion über den Papst

Category: AuftritteMatussek @ 17:07

Am 11.April 2010 um 21 Uhr 45 diskutierte ich bei Anne Will über den Papst. Hier können Sie sich die Sendung noch einmal ansehen.


Feb 10 2010

Ausstellungseröffnung “Die Twins”

Category: Auftritteadmin @ 23:46

Ausstellunseröffnung TwinsWer sich auf diese Ausstellung einläßt, meine Damen und Herren lässt sich auf einen Trip ein, auf ein gefährdetes Leben, was sage ich, auf zwei gefährdete Leben, auf Biografien auf der Klippe, und er wird hineingelockt von zwei unwiderstehlichen Sirenen, die gleichzeitig großartige Bandidas waren – all diese Fotos zeigen einen gleichzeitig naiven und teuflischen Cocktail aus Lebenslust und Drogendelirien, aus Gangster-Irrsinn und Sex in Künstlerbetten.
Hier der komplette Text meiner Rede zur Ausstellungseröffnung im Cafe Einstein
Und hier mein aktueller Viedeoblog dazu.


Feb 05 2010

Einen guten Eindruck hinterlassen

Category: Allgemeinadmin @ 16:11

Während der Dreharbeiten zu “Matussek trifft…” hat mir Arne Willander von der WELT über die Schulter geschaut. Hier sein Eindruck. Ich bin gespannt auf Ihre und Eure Reaktionen.


Feb 04 2010

Neues Fernsehformat “Matussek trifft…”

Category: Allgemeinadmin @ 23:13

Heute ist mein mein neues Fernsehformat “Matussek trifft…” beim SWR gestartet. Ausschnitte der Gespräche mit Annette Dasch und Klaus-Maria Brandauer finden Sie hier


Jan 29 2010

Rede zum Neujahrsempfang beim Potsdamer Bürgermeister

Category: Auftritteadmin @ 23:09

Hier mein Redemanuskript zum Neujahrsempfang des Potsdamer Bürgermeisters am 29. Januar 2010.


Jan 13 2010

Auf ein Neues – allen Besuchern ein glückliches Jahr 2010

Category: AllgemeinMatussek @ 21:04

Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.
Johann Wolfgang von Goethe


Dez 05 2009

Sieg für die Väter

Category: AllgemeinMatussek @ 15:06

Gesellschaft
Über acht Jahre kämpfte ein Vater um das Recht, sein Kind zu sehen. Er zog dafür bis vor den Europäischen Gerichtshof in Strassburg. Was für ein Kampf um die mittlerweile 14-jährige Tochter! Die deutsche Justiz muss umdenken. Doch die geänderte Rechtslage bedeutet noch längst keinen Schutz vor Willkür im Trennungsfall. Ich hatte bereits vor 12 Jahren in meinem Buch “Die Vaterlose Gesellschaft” vor der mangelhaften Umsetzung der Umgangsrechte von Vätern gewarnt und drastische Beispiele genannt. Auch hier, auf der Ebene der Amts- und Familiengerichte, muss sich noch einigen tun. Wer mehr wissen will, dem sei mein Buch nach wie vor zur Lektüre empfohlen – mit umfangreichem Register zu Rechtshilfe und Adressen von Vätervereinen.

Klappentext: Dass fast alle Scheidungskinder bei ihren Müttern leben, haben die meisten Väter akzeptiert, dass sie ihre Kinder aber vielfach nicht mehr oder kaum noch sehen dürfen, empört die Männer. Die Väter sind meist die Verlierer im Geschlechterkampf. Ein ebenso provokantes wie überfälliges Buch


Dez 03 2009

Nach dem Taumel

Category: AllgemeinMatussek @ 11:38

rundes-BettAls ich im November 1989 im Palasthotel am Alexanderplatz eincheckte, hatte ich ein Mobiltelefon dabei, das die Größe eines Werkzeugkoffers hatte. Das war die Gefechtslage, von heute aus gesehen: Wir waren rückständig, aber die anderen waren es noch viel mehr.

Alle Westjournalisten trugen diese Kästen. Wir sahen aus wie ein Trupp von Monteuren. Wenn Lenins Formel gilt, dass Kommunismus “Sowjetmacht plus Elektrifizierung” bedeute, war klar: Hier war er gescheitert – die Stadt war dunkel, die Fassaden blatternarbig.

einestages


Okt 21 2009

Category: Allgemeinadmin @ 21:24

Sechzehn Jahre ist es her und schon vergessen. Was vom Fall der Mauer übrig blieb, sind ein paar Fernsehbilder, ein kleiner Vorrat von Zitaten und Klischees.
Matthias Matussek war dabei und hat alles festgehalten: das Gewühl der Demonstranten vor dem ZK, die Geisterfahrten durch die Provinz, die Freude und die Gier, den Wirrwarr und die Wut. Ein Dreivierteljahr hat er sich eingenistet im Ost-Berliner Palasthotel, Zimmer 6101. Hautnah beschreibt er die Fassaden und die Hintertreppen der “Wende”, die eher einer riesigen Karambolage glich. Und er verschweigt auch nicht die Schäden, die der Zusammenstoß zweier Gesellschaftssysteme zur Folge hatte und die bis heute schmerzen.


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