Der neue Matussek ist da!

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Artikel

Erschienen auf The European am 24. Februar 2014

 

Matthias Matussek setzt einen Schlussstrich unter die Debatte der letzten Wochen. Eine Antwort auf Stefan Niggemeier.

Lieber Stefan Niggemeier,

oder auch einfach „Niggi“, wie Sie von Ihren Szene-Freunden genannt werden, alter Netz-Schnüffler, natürlich habe ich nicht falsch gelesen, sondern lediglich kompletter als Sie.

Ich werde Ihnen das erklären. Diesen Beitrag weiterlesen »


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 43/2013

SP1343

Die Deutschen liebten ihr Auto. Jetzt hassen sie es.

So hätte der junge Zadek, der zynische Großverschwender-Regisseur, den letzten Abend des deutschen Autos inszeniert – wie ebenjene Gala, die vor einigen Jahren in der “Gläsernen Manufaktur” in Dresden ausgerichtet wurde.

Christian Thielemann entlockte der Ouvertüre von Wagners “Rheingold” jenes unverwechselbare Melos, die Weine waren Elblagen oder so, auf jeden Fall deutsch, der Dresscode Smoking, Damen opernlang und ausgeschnitten.

Die Tische dieser funkelnden Abendgesellschaft aus Lokalpolitikern und TV-Sternchen und handverlesenen Presseleuten, also solchen, die im Verdacht der Unternehmerfreundlichkeit standen und ihre Standfestigkeit auch hier unter Beweis stellen würden, die Tische also standen in der Montagestraße. Diesen Beitrag weiterlesen »


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 43/2013

SP1343

Der Mond im Sturzflug In den neunziger Jahren wurde Zoë Jenny als Fräuleinwunder der deutschsprachigen Literatur gefeiert. Nun gelingt ihr ein Comeback – mit Short Storys, die eigentlich als Kassengift gelten.

Das ist der Vorteil an Kurzgeschichten, sie sind kurz. “Zwanzig Minuten”, sagt Zoë Jenny. “Die Geschichte dauert genau zwanzig Minuten.” Wie schön, denn das Buffet wird erst nach ihr eröffnet.

Zoë Jenny sitzt in Joachim Unselds Haus in Frankfurts vornehmer Lilienthalallee auf der Treppe und schaut hinunter aufs Party-Gewoge, all die hereintröpfelnden Kritiker, und sie ist nicht nervös. Behauptet sie.

Warum auch. Leoparden-Pumps, ein Bustier, rote Lippen, schöne dunkle Augen, diealles gesehen haben, Party-Nahkampf. Fotografin Karin Rocholl, auch auf der Treppe, zeigt ihr ihren Fotoband mit Prominenten, Nina Hoss, Elfriede Jelinek, doch da schweift Jennys Blick schon wieder auf die Gäste, sie, Zoë Jenny, hätte auch in dieses Buch gehört, mit genau diesen Leoparden-Pumps.

Sie war mit 23 weltberühmtes Fräuleinwunder, bald zwei Jahrzehnte ist das her, nach ihrem Debüt “Das Blütenstaubzimmer”, das weltweit eine halbe Million Mal verkauft und in 27 Sprachen übersetzt wurde. Diesen Beitrag weiterlesen »


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 40/2013

SP1340

Er war einer der größten Dichter deutscher Sprache und sicherlich derjenige mit der kürzesten Karriere: Georg Büchner, 1813 geboren, starb mit 23. Noch immer strahlt er als revolutionärer Held. Das könnte ein Missverständnis sein.

Wie soll man diese Himmelserscheinung nennen, die da durch die Nacht raste im zerschossenen frühen 19. Jahrhundert? Ein rotes revolutionäres Zischen zunächst, dann Stille, dann die Explosionen und dieses lange, prächtige Verglühen, leidensrot und sehnsuchtsblau, giftgelb und jugendgrün, es regnet Sternschnuppen bis heute, und jeder sieht diesen Büchner anders.
Georg Büchner, die geniale Stichflamme der deutschen Literatur. Wurde 23 Jahre alt. Begann mit einem Aufruf zu den Waffen, warf dann, in nur zwei Jahren, drei Theaterstücke aus sich heraus sowie eine Novelle, die ein Grenzgang in den Wahnsinn ist. Diesen Beitrag weiterlesen »

Erschienen auf SPIEGEL Online am 19. September 2013

 

Marcel Reich-Ranickis TV-Karriere war ein einziges produktives Missverständnis: Obwohl er alle Regeln des Mediums missachtete, gelang es ihm mit seinem “Literarischen Quartett”, das Feuilleton ins Fernsehen zu bringen. Ein Genie der Anmaßung in einer Welt der Mittelmäßigkeit.

Marcel Reich-Ranickis (MRR) größtes Geheimnis war, dass er die Kamera ignorierte. Sie war ihm egal. Deshalb erhielt er sie – die “goldene Kamera”, neben unendlich vielen anderen Publikumspreisen. Er war das produktivste Missverständnis, das sich der deutsche Fernsehbetrieb je geleistet hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

 

Erschienen auf SPIEGEL Online am 12. September 2013

 

Mal war er eisig, mal ledertrocken, mal slapstickhaft menschlich, und wie er vorlesen konnte! Mit dem Tod von Otto Sander hat Deutschland einen seiner größten Charakterdarsteller verloren. Selbst in seinen komischen Rollen umgaben ihn immer Traurigkeit und Einsamkeit.
Vor dem offenen Grab von Wolfgang Menge im letzten Jahr, und später, während des wohl offiziell “Leichenschmaus” genannten geselligen Beisammenseins vor der Tür dieses Italieners in Zehlendorf, traf ich Otto Sander das letzte Mal. Am Aschenbecher. Rauchen tötet. Aber Rauchen stiftet auch Gemeinsamkeit. Diesen Beitrag weiterlesen »

 

Erschienen auf SPIEGEL Online am 31. August 2013

 

Er lädt Penner ein. Ein Topf Suppe steht immer bereit. Paul Badde erzählt in dem Dokumentar-Roman “Raphaël” von einer merkwürdigen Lichtgestalt im München der Nachkriegsjahre.
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Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 31/2013

SP1331

BUCHKRITIK: Amy Hempel ist eine Kultfigur der US-Literatur. Ihre Kurzgeschichten erscheinen erstmals auf Deutsch.

Der erste Satz muss zünden, jeder, der schreibt, weiß das. Ob das jetzt ein guter erster Satz ist, muss sich erweisen; vielleicht auch, ob es ein richtiger erster Satz ist. Diesen Beitrag weiterlesen »


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 30/2013

SP1330

Es war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Bundesrepublik, ein Fiasko für Polizei und Medien. Nun erzählt der Schriftsteller Peter Henning, 25 Jahre danach, das Gladbecker Geiseldrama in einem packenden Roman.

Wer würde hier in der Kölner Breiten Straße der NSA auffallen, auf einem dieser Rasterzooms aus dem All, die wir aus Thrillern wie “Staatsfeind Nr. 1″ kennen?

Wohl dann doch diese junge Frau, auf den Stufen zur U-Bahn. Sie ist die Einzige, die nicht auf ein Handy-Display starrt, sondern in ein Buch, halb im Untergrund, verdächtig, reglos.

Doch auch die übrigen Passanten haben allenfalls das Tempo von Leguanen, Sommerschwüle verwandelt die Shopping-Meile schon um elf in ein Terrarium. Diesen Beitrag weiterlesen »


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 27/2013

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Das Volk ist erwacht und richtet seinen Zorn gegen eine politische Klasse, die arrogant und korrupt ist – und den Reichtum des Landes verschwendet.

In den Tagen, in denen der brasilianische Fußball starb, wurde die brasilianische Demokratie geboren. Das wäre ein hübscher erster Satz, allerdings stimmt er nur halb, denn die Seleção, die Nationalmannschaft, spielt prächtiger als erwartet während des Confed-Cups, der Generalprobe für die Weltmeisterschaft. Sie hat es aber auch leichter als die Demokratie. Sie spielt nach Regeln, an die sich alle halten müssen, und sie kann Ergebnisse vorweisen. Die Demokratie dagegen ist endlose Fummelarbeit, und ständig ändern sich die Regeln. Diesen Beitrag weiterlesen »