Der neue Matussek ist da!

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Mich hat die dunkle Vergangenheit eingeholt. Nein, nicht die aus dem Krieg, sondern aus einer wesentlich komfortableren und leichtsinnigeren Kampfzone, der des Meinungsgewerbes.
Also, ich habe dummes Zeug geschrieben.
Ein Freund hat eine Kolumne von mir ausgegraben. „Das Recht auf Zorn“. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-22702451.html
Ich hatte mich vor gut zehn Jahren in einer Antisemitismus-Debatte vor den Desperado-FDP-Politiker Jürgen Möllemann gestellt. Vielleicht tat er mir leid, vielleicht hat mich auch nur das Kesseltreiben der gesamten Öffentlichkeit gegen ihn geärgert.
Vielleicht war ich auch zu weit weg, nämlich auf einem Boot in Patagonien, wo ich mich mit einem israelischen Kollegen über das Nahost-Problem stritt. Was sonst bespricht man auch am Ende der Welt zwischen treibenden Eisbergen?
In jenen Tagen, 2002, hatte Möllemann im fernen Deutschland im wesentlichen die Positionen vertreten, die Jakob Augstein heute in seinen kämpferischen Kolumnen verbreitet, zumindest in den riskanteren Formulierungen, und von denen gibt es einige. Ja, das Erstaunliche ist: Heute wäre Möllemann zumindest in seinen Äußerungen zum Nahen Osten so salonfähig wie Jakob Augstein.
Auch Möllemann äußerte Verständnis für jene zornigen jungen Männer, die damals wie heute morden; er warf Israel vor, Antisemiten zu züchten; und er warf Michel Friedman, damals noch im Zentralrat der Juden, vor, durch sein „gehässiges“ Benehmen in Talkshows dasselbe in Deutschland zu tun.
Ein wahrer shitstorm war damals über Möllemann hereingebrochen, Claudia Roth bebte, Friedman tobte, Henryk Broder nannte ihn einen Antisemiten und nahm mich als dessen Unterstützer aufs Korn, und der Zentralrat der Juden empörte sich über Möllemanns „antisemitische Klischees“.

Für meine Kolumne war mir das Gespräch in Patagonien auf dem Schiff eingefallen. Dem israelischen Kollegen gegenüber vertrat ich das, was heute Mehrheitsmeinung ist. Ich sagte, dass Sharon ein Kriegsverbrecher sei und Israels Besatzungspolitik brandgefährlich. Ich schrieb:
„Möllemanns Äußerungen sind pro-palästinensisch und damit automatisch anti-israelisch. Aber antisemitisch? Was soll daran antisemitisch sein, Michel Friedman nicht zu mögen? Was soll daran antisemitisch sein, ihm vorzuwerfen, er sei gehässig und provoziere?“
Nun war Möllemann ein tragischer politischer Rabauke. Er brachte sich ein Jahr später, 2003, verheddert in dubiose Wahlkampffinanzierungen und verfemt selbst in der eigenen Partei, durch einen Fallschirmsprung um. Möllemann neigte zu Kurzschlüssen.
Jakob Augstein dagegen ist ein liebenswerter, hochintelligenter Kollege, mental völlig ausbalanciert.
Dennoch: So peinlich, wie es mir heute ist, dass ich einst Möllemanns wirre Thesen verteidigt habe, so schmerzhaft ist es zu sehen, wie die großen Feuilletons der Republik unter Möllemanns Motto zusammenrücken, das längst auch das von Grass ist. Man wird ja wohl noch sagen dürfen. Genauer: „Was gesagt werden muss“.
Wir haben uns offenbar beide geändert, die Mehrheitsmeinung und ich. Der einzige, der sich treu blieb, ist Henryk Broder.
Die Mehrheit im Lande ist israelkritischer geworden, ich habe mich in die Gegenrichtung aufgemacht. Ich finde, ich habe die besseren Gründe. Denn in den letzten zehn Jahren ist einiges passiert.
Israel ist bedroht wie nie zuvor. Der Frühling der arabischen Revolution verdüstert sich zu einem islamistisch getränkten Territoral-Gürtel. Irans Ahmadinedschad baut an der Atombombe mit dem erklärten Ziel, Israel von der Landkarte zu wischen. Schon ein Blick auf die Landkarte genügt, um festzustellen, dass Israel gut daran tut, sich bis an die Zähne zu bewaffnen.
Aus dem Gaza-Streifen, den Jakob Augstein ein „Lager“ nannte, haben sich die israelischen Besatzer längst zurückgezogen. Heute herrscht dort unangefochten die Hamas, die Raketen auf Israel abschießt, jene Hamas, die die Adorno-Preis-Trägerin Butler eine „Befreiungsbewegung“ nennt.
Henryk Broders Argument, dass es heute nicht darum gehen kann, in einer linken Antifa-Folklore den Widerstand gegen Hitler nachzuholen, sondern darum, den Holocaust der Zukunft zu verhindern, gewinnt jeden Tag mehr an Plausibilität.
Die politischen Koordinaten haben sich verschoben, nach links. Ja, auch das hat sich geändert.
Eine besondere Pikanterie in der Möllemann-Debatte lieferte damals die Berliner FDP-Ortsvorsitzende Susanne Thaler, die unter anderem deshalb aus der Partei austrat, weil sie hinter Möllemanns Wahlziel „18 Prozent“ eine alphabetische Spielerei mit den Initialen Adolf Hitlers vermutete.
Das Dechiffriersyndikat schaute damals entschlossen nach rechts, es schaute nach hinten. Es schaute in die falsche Richtung.
Frau Thaler hätte ihren Blick nach links wenden sollen, dahin, wo sich die antiimperialistischen und antikolonialistischen Meinungsstrategen zu einem salonfähigen antiisraelischen und bisweilen antisemitischen Feuilletonbündnis zusammengefunden haben. Hier wäre Möllemann heute nicht mehr ein Verfemter, sondern ein „role model“, ein Vorbild.
Vielleicht war ich damals, in Patagonien, einfach zu weit weg. Allerdings scheint mir, dass man in den Wohnzimmern der deutschen Komfortzone mindestens ebenso weit weg ist vom Überlebenskampf der Juden in einer der gefährlichsten Regionen der Erde.
Wie sehr sich die Gesamtlage bei uns verschoben hat: Natürlich ist jenes jüngste Gedicht von Günther Grass, der nicht in der Bomben-bastelnden islamistischen Diktatur Iran, sondern im Judenstaat Israel eine Bedrohung des Weltfriedens sieht, ein Skandal. Und es tat mir weh zu sehen, wie Jakob Augstein Grass zur Hilfe eilt.
Er verschlimmerte Grass ins Grundsätzliche, indem er schrieb: „Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst, weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“
Nun, für mich hat Grass nicht gesprochen. Ich glaube, dass Jakob Augstein diese Parteinahme für Grass mittlerweile leid tut. Womöglich hat er sich verführen lassen durch die Aufmerksamkeitsökonomie des Kolumnen-Geschäfts, das die Schrillheit belohnt. Ich glaube nicht, dass Jakob Augstein ein Antisemit ist, der die Juden für eine minderwertige Rasse hält. Nicht einmal Broder glaubt das.
Broder, der Polemiker und Börne-Preisträger, spielt den Narren für uns. Er sagt, was wir nicht hören wollen. Er geht an die Grenze, wenn er sich, als Trauer-Stele verkleidet, über unsere hohl gewordenen Trauerrituale zum Holocaust lustig macht. Wir brauchen ihn. Sätze wie jener aus der „Frankfurter Rundschau“ dagegen – „Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft” – sind ruchlos. Auch das muß gesagt werden.
Sicher, manchmal schießt Henryk Broder wütend über das Ziel hinaus, das ist das Risiko eines jeden Polemikers – und die Juden Heine und Börne waren nicht zimperlich, wenn es um den Einsatz des Antisemiten-Knüppels ging.
Für seinen Streicher-Vergleich hat sich Broder entschuldigt. Er hat sich auch deswegen entschuldigt, weil er, wie er jetzt eingesteht, “ablenkt“. Er war „nicht hilfreich“, schrieb er, denn die Gefahr droht nicht von ewiggestrigen Nazi-Rülpsern, sondern von einer gängigen Verharmlosung der aktuellen Bedrohung Israels im linken juste milieu, einer Verharmlosung, die dem aktuellen Antisemitismus in die Hände spielt. Und der tritt nun mal im Nahen Osten in der gewalttätigen und täglich mörderischen Armatur des Islamismus auf, und er könnte tatsächlich eines Tages zu einem erneuten Holocaust führen, diesmal durch einen verheerenden Militärschlag.
In dieser Lage leben die Juden. Von Vernichtung bedroht. Ich verstehe ihre Lage. Viele derzeitige Kommentatoren, so Dieter Graumann im aktuellen SPIEGEL„ begreifen das jüdische Trauma nicht. „Wir werden uns nie wieder der Gefahr der Vernichtung aussetzen, diese Lehre brennt in uns allen. Das ist unsere Erfahrung, unsere Geschichte. In der Tat erwarte ich von einem deutschen Journalisten ein Mindestmaß an Gefühl dafür.“
Israel, dieser begrünte Sandstreifen von der Größe Hessens, ist von zunehmend grimmigen islamistischen Land- und Staatenmassen umlagert. In Jerusalem, Tel-Aviv oder Beer Sheva zu leben, erfordert doch ein wenig mehr Nervenstärke als es die Warterei auf ein Schnitzel im „Borchardt“ verlangt.
Zur Illustration der ganz alltäglichen Gefahr dort, in der Region des „gelobten Landes“, zum Schluss noch eine weitere Anekdote, aus einem anderen Boot.
Wir waren mit dem Tauchlehrer Hussein im Roten Meer unterwegs. Unter uns und neben uns Delphine und bunte Kaiserfische und schillernde blaue und schwarzweiße Schwärme, in lautlos friedvoller Stille.
Worüber redet man, wieder an Bord? Natürlich über Israel.
„Die haben damals doch nur gewonnen, weil sie aus der Luft angegriffen haben“, sagte Hussein, „die sollen verschwinden, je schneller desto besser, die stiften hier nur Unfrieden.“
Soweit dazu. Nichts gegen Juden, aber sie stören.
Und die Scharia hält Hussein für eine wichtige Errungenschaft. Das Gesetz muss streng sein. Wenn seine Frau ihm untreu würde, würde er nicht erst auf ein Urteil warten – er würde sie persönlich steinigen.
Das sagte er in reinster Unschuld, mit der größten Selbstverständlichkeit. Er war ein ruhiger lächelnder Buddy-Typ. Natürlich hat Hussein die Muslim-Brüder gewählt.
Doch ich habe noch andere Gründe, die zunehmend fundamentalistische Arabellion mit Besorgnis zu betrachten. Kurz zuvor war ich in einem koptischen Gottesdienst in Hurghada. Er fand in einer Neubaugegend in einer Schule statt, streng bewacht, denn der Terror-Anschlag auf die Kopten in Alexandria vor genau zwei Jahren ist noch frisch in Erinnerung.
Ich erlebte dort eine Liturgie, die annähernd 2000 Jahre alt ist, aus jener Ur-Kirche, die man die der Märtyrer nennt. Ich erlebte freundliche Schwestern im Habit, uralte Gesänge und Gebete, spielende Kinder, Ehrfurcht und Freundlichkeit und eine Krippe aus Pappe. Sie wirkten wie übrig Gebliebene.
Der Publizist Michael Hesemann hat die Geschichte dieser Urchristen in dem packenden Buch „Jesus in Ägypten“ beschrieben. Nun fliehen die Kopten wieder aus Ägypten, bisher sollen es mehr als Hunderttausend sein. Die Christen sind, nach Auskunft der UNO, heute die am stärksten verfolgte Religionsgruppierung weltweit, und das sind sie in erster Linie in islamischen Ländern.
Meine Lässigkeit ist dahin.
Also, mea culpa, ich habe mich mittlerweile korrigiert.
Und ich bin sicher, auch Jakob Augstein wird es eines Tages tun.

21 Kommentare zu „In eigener Sache: Meine Stunde als Antisemit“

  • Es bräuchte mehr Menschen, die noch Argumente lesen, anstatt nur die Sätze herauszupicken, die in’s vorgefasste Konzept passen. Mehr Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen, anstatt einfach an dem festzuhalten, was “alle Welt so behauptet”. Es bräuchte mehr Menschen, die auch Irrtümer eingestehen können, die sich einfach mal fragen können: ‘Ist das Bild, das ich bisher hatte, wirklich richtig?’ Und: ‘Hat sich seitdem etwas verändert?’
    Leider scheinen es mir viel zu wenige zu sein, in Deutschland (aber auch andernorts) – aber Ihren Kommentar gelesen habend, hab ich doch noch Hoffnung. Vielen Dank dafür!

  • Das ist ja fantastisch, geschätzter Kollege – Respekt zu diesem Bekenntnis, welches das Wesentliche ausleuchtet und das Wichtigste zum Punkt bringt. Das Land braucht solche Aufklärung und Richtigstellungen.
    War es vor ´90 Usus, mit der Abschlussklasse nach Ost-Berlin zu fahren, sollten jetzt Schulklassen nach Israel reisen. Dem modernen Antisemitismus eines Grass und Augstein durch die Realität widerlegen. Vielleicht würden beide sogar mitfahren?
    Nur: Warum steht dieser Text nicht auf SPON?

  • llamaz:

    Weils grad so schön thematisch passt:
    Likud members call for Israeli annexation of West Bank territories
    Prominent members of ruling party urge annexation of ‘Area C’ as battle for rightwing votes intensifies before general election

    http://www.guardian.co.uk/world/2013/jan/02/likud-israeli-annexation-west-bank-territories

  • Tobias:

    hallo herr matussek,

    respekt für ihr eingeständnis, dass der text im spiegel v. 2002 für sie heute nicht mehr okay ist. danke für den gesamten text, der aus meiner sicht relativ unpolemisch die gefahr des neuen/alten antisemitismus beschreibt.

    meines erachtens ist nichts schlimmer als der satz “das wird man ja wohl noch sagen dürfen/müssen/können” (s. bild- zeitung).

  • Ja, meinen Sie denn bei den Muslimbrüdern gibt es keine spielenden Kinder? Meinen Sie denn, bei den Kopten in Ägypten kriegen die Frauen nicht in die Fresse? Jede Gemeinschaft, jede Organisation oder Religion ist nur so gut, wie die Menschen, die Sie formen und prägen. Und Menschen, lieber Herr Matussek, das wissen Sie wohl auch, sind einfach scheiße.

    Mir persönlich gehen – jetzt mal bezogen auf den Nahost-Konflikt – alle schwer auf den Sack. Insbesondere die Anführer, ganz gleich welchen Landes und ganz gleich welcher Organisation.

    Kann sein, dass Menschen mit meiner Einstellung nichts dazu beitragen, die Spannungen in der Region zu entschärfen, oder allein die Diskussion darüber.

    Aber Leute die sich einbilden, dass nur mehr Waffen nötig sind und den schwarzen Peter herumreichen, haben erst recht keinen Plan. So viel ist mal sicher.

  • Neo:

    Nur eine kleine Ergänzung: Ich stimme Ihnen in vielen wesentlichen Punkten zu.

    Ein kleiner, aber auch sehr zynischer Aspekt, der mir bei Israel immer wieder aufstößt.
    Würde Israel mit seiner Siedlungspolitik nicht ständig in der arabischen Wunde stochern, dann wäre ihm, zynisch formuliert, der Opferstatus und damit auch die weltweite Unterstützung sicher.
    Dann gäbe es vermutlich auch keine Probleme mit U-Booten und militärischer Unterstützung, da allgemein akzeptiert würde, dass das Böse ausserhalb Israels ist.

    Ein anderer Aspekt, auch wenn ich denn noch nicht allzu hoch für mich bewerte, sind auch Meldungen über Orthodoxe Juden, die Frauen ausgrenzen. Sorry. Mir fällt es schwer, das moralisch zu verteidigen. Das fällt für mich auch nicht mehr unter Religionsfreiheit.

    Aber wie soll man sowas kritisieren ohne aber gleich als Antisemitisch diffamiert zu werden?
    Darf ich das überhaupt noch als Mensch, als Mensch mit deutscher Historie?

    Der erste Apsekt macht mir Israel unsymphatisch, genauso wie mich Kinder auf dem Schulhof angewiedert haben, die erst andere geärgert haben und sich dann bei Gegenwehr beim Lehrer beschweren. Sorry, ich kann da anscheinend nicht anders.

    Der zweite Aspekt setzt, für mich, einen Teil des Judentums auf eine Ebene mit Islamisten und auch konservativen christlichen Kreisen. Auch wenn ich für private freie Religionsausübung bin, das andere hat für mich keinen Bestandschutz, da es massiv in das Leben anderer z.T. auch unbeteiligter Menschen eingreift.

    Aber wie will man das noch differenziert diskutieren, wenn immer wieder argumentiert wird, Israel=Judentum=Nicht kritisierbar ?

    Zu Broder: Er verhindert durch seine Art ernsthafte differenzierte Diskussionen. Und macht sich damit, m.E.n. überflüssig.

  • daMasta:

    Ich verstehe es trotzdem nicht ganz. Israel darf also Völkerrechtsverletzungen gegen Land A begehen, weil Land B Israel auslöschen möchte?
    Oder geht’s nur darum klarzustellen, dass der Iran schlimmer ist als Israel?

    Ich frage mich bei der ganzen Sache auch noch, wo die Prioritäten liegen: Stehen wir für den Rechtsstaat oder stehen wir gegen Islamisten?

  • Sekko:

    Gratulation, so einseitig wie ihr Artikel von 2002 ist, so einseitig ist dieser hier – nur eben in der anderen Richtung. So wie es den Hass der Araber gegen Israel gibt, so wie höchstwahrscheinlich der Iran die Hamas finanziell unterstützt, so sicher ist eben auch das die israelische Siedlungspolitik nun einmal im Minimum als aggressiv und als (wäre es nicht am Veto der Allierten Israels gescheitert) völkerrechtswidrig zu sehen ist. Zudem verfolgt der israelische Geheimdienst geziehlt Zivilisten im Iran und schaltet sie aus (zumindest laut ZDF, man sollte da ja immer etwas vorsichtig sein). Das der Iran btw die Atombombe baut ist trotz dessen, dass sie es hier als Tatsache verkaufen, nur eine Vermutung, für die es keine belastbaren Beweise gibt. Um genau zu sein, existieren die entsprechenden Geheimdienstberichte, dass der Iran die Atombombe “in spätestens einem Jahr” hat (wahlweise mal ein bisschen mehr oder weniger) seit mehr als 20 Jahren. Ziemlich fragwürdig also.
    Wer glaubt sich in dem Konflikt auf eine Seite stellen zu müssen, hat schon verloren.

  • Arno Nym:

    Zum Thema “Israel muss von der Landkarte getilgt werden”: http://www.youtube.com/watch?v=0UoAGUW0iPU&t=32

  • Wingman Matussek?

    Ersts mal das “Ja, OK” – dann das “aber” vom “Übrigens” abgerundet!

    Das Ja, OK:
    Ja, was Mathias Matussek schreibt, ist hochgradig lesenswert. Vieles von dem trifft den Nagel punktgenau auf die bedeckte Eichel. Besonders hervorhebenswert empfinde ich dies:

    “Israel ist bedroht wie nie zuvor. Der Frühling der arabischen Revolution verdüstert sich zu einem islamistisch getränkten Territorial-Gürtel. Irans Ahmadinedschad baut an der Atombombe mit dem erklärten Ziel, Israel von der Landkarte zu wischen. Schon ein Blick auf die Landkarte genügt, um festzustellen, dass Israel gut daran tut, sich bis an die Zähne zu bewaffnen.”

    Das Aber:
    Warum nennt der “einstige” Matussek Ariel Sharon einen “Kriegsverbrecher”, ohne dass der “aktuelle” Matussek eine derartige ungeheuerliche Lüge nicht richtig stellt?
    Denn der Mann, der im Jom-Kippur-Krieg 1973 Israel vor noch größerem Schaden bewahrte, indem er eigenmächtig den Suezkanal überquerte und so die ägyptische Armee einkesselnd, mit seinen Panzern am legendären Kilometerstein 101 * vor Kairo einen dauerhaften (Mursi?) Frieden mit dem großen Nachbar erzwang, ist vielleicht alles andere, aber niemals ein Kriegsverbrecher!

    So musste ich in 2012 schon dem Shootingstar der dt. Jungjournaille – David Harnasch – kräftig auf die Facebook-Finger klopfen, als dieser sich in kompletter Unkenntnis der Situation im Libanon des Jahre 1982, negativ über Ariel Sharons Rolle bezüglich der Massaker von Sabra und Shatila ergoss.
    Was hätte Sharon denn machen sollen, als circa 17 verschiedene locker mit Israel verbündete libanesische arabisch-drusisch-christliche Milizen ihm vorlogen, sie würden Topterroristen verhaften und stattdessen eine Abrechnung der “orientalischen Art” mit der PLO auch an zu vielen, viel zu vielen unschuldigen Kinder und Frauen begingen.
    Wer hätte seine Jungs in ein solch konfuses, nächtliches Kreuzfeuer zum Sterben geschickt, um gegen Verbündete ausgerechnet denen zu helfen, die ab Wickelalter mit Judenhass gefüttert zudem ihre potentiellen Retter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im geeigneten Moment von hinten abgestochen hätten?

    Fast Nichts in den letzen 40 Jahren, hat mich so sehr geärgert und enttäuscht, wie das kolportieren dieser Infamität Pallywoods durch angebliche Israelfreunde.

    Und was macht unser Papstfreund Matussek? Er lässt diese Lüge nicht nur erneut vom Stapel – nein – er berichtigt diese PLO-Propaganda auch nicht und generiert so exakt die gleiche verwerfliche Fähre, mit der vermeintliche “Nur-Netanjahu-Lieberman-Kritiker” alla Grass/Augstein/Polenz ihre verbalen Antisemitismen transportieren.
    [*man beachte die Unterschiede zwischen dt. und engl. Wikipedia]

    Das Übrigens:
    Beiläufig empfehle ich Mathias Matussek das Studium der Wortbedeutung von “Anektode”. Denn was sein Tauch-Assistent Hussein am Roten Meer vom Stapel ließ, enthält so viel Amusement, wie der Anblick einer Wasserleiche.

    Schlimmer wiegt vielmehr, dass ein Matussek nunmehr Henryk M. Broders ewiger Dankbarkeit gewiss, als Vorzeige-Katholik und Papst-Biograph, meines Wissens nach sich niemals kritisch zu den Boykottaufrufen der katholischen Pax-Christi-Organisation äusserte. Dieser “Besatzung schmeckt bitter-Nazismus”, ist kein Deut verschieden von “Kauft nicht bei Juden”!

    Das wäre weitaus konstruktiver, ehrlicher und der Nah-Ost-Problematik zuträglicher gewesen, als sein Lamentieren über deutsche Judenbefindlichkeiten. Denn Solches, ist so neu nicht und ändert – seien wir ehrlich – auch nichts an der Realität!

    [N.B.: Meiner bescheidenen Meinung nach, ist Jakob Aufstein kein Antisemite, aber Geld, Geld hat er von den Mullahs für seine Antisemitismen erhalten, genauso wie Grass. Matussek dagegen nicht, denn dafür ist Henryk zu geizig.]

  • r.woitzuck:

    Stellt sich die Frage ob die Mehrheitsmeinung tatsächlich ” israelkritischer” geworden ist ( und dann wohl auch “islamkritischer” (was dann endgültig ein bescheuertes Wort ist) oder bloß hysterischer. Denn eine israelische Politik, die sich von ultra-nationalisten treiben lässt hat kritisiert zu werden – spätestens wenn der Eindruck besteht, dass diese Politik den brüchigen Frieden im nahen Osten und damit auch Israel gefährdet.

  • Hannes:

    Hi,
    danke für den Artikel, er hat einige wichtige Dinge meiner Meinung nach sehr objektiv beleuchtet.
    Habe ein paar eigene Gedanken, die meines Erachtens gut zu diesem Artikel passen:

    1. Meine Ansichten gegenüber der israelischen Politik ist sehr kritisch. Dieses liegt wahrscheinlich an den Darstellungen in den Medien. Es gibt auch sicherlich auch genügend Gründe weiterhin kritisch gegenüber der Siedlungspolitik zu sein aber man sollte wahrscheinlich den Beweggründen Isreals mehr Gehör und Verständnis geben.

    2. Ich kann in der Definition des Wortes kein Antisemit sein. Ich weiss, dass das zynisch ist aber ich habe in den 30 Jahren die ich nun auf dieser Welt bin, so gut wie gar keinen Kontakt in irgendeiner Art und Weise mit Juden gehabt. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, irgendwann einmal etwas negatives über einen Juden oder jüdisches Kulturgut gehört zu haben. Sollte der Hass auf Juden also nicht etwas genetisches sein (was wohl eher absurd ist), ist meine teilweise negative Einstellung gegenüber Israel also höchstwahrscheinlich politisch und nicht rassistisch beeinflusst.

    Ich denke ich bin nicht alleine in diesem zweiten Punkt. Und das ist es, warum so viele Menschen sich direkt beleidigt fühlen, wenn Kolumnen, die ihrer eigenen Sichtweise sehr ähnlich sind, als antisemitisch bezeichnet werden. Und in dieser Hinsicht, sind wahrscheinlich weder die einsitigen Betrachtungen eines Augsteins, noch die verbalen Rundumschläge eines Broders sehr hilfreich, um uns in irgendeiner Hinsicht klüger zu machen.
    In diesem Sinne noch einmal Danke für diesen Artikel.

  • David Lahr:

    Naja,
    anfangs dachte ich noch der Artikel würde sich zu einer satirischen – oder zumindest augenzwinkernden – Auseinandersetzung mit dem Problem der Schwarzweißmalerei, in besagter Thematik, entwickeln…. Schade. Bezeichnet man nämlich Augsteins Kommentare als die “schwarzen”, so ist dieser hier leider als das “weiße” Pendant anzusehen. Aufgrund der Übervereinfachung beider Standpunkte, sollte der informierte Leser weder mit dem einen noch dem anderen etwas anfangen können. Uninformierte – so befürchte ich – werden aber leider durch diese Polemiken nur unweiser, ungeachtet bei welcher Seite sie sich denn nun versuchen “schlau” zu machen.

    Wenns denn vor zehn Jahren “schwarz” war, heute “weiß”, dann schaue ich in weiteren zehn Jahren nochmal vorbei; vielleicht kommen ja dann die Schattierungen dran. Ich hoffe mal, dass Bildblog auch dann wieder verlinkt.

    MfG
    DL

  • Sue:

    Viel geschrieben, wenig gesagt. Willkommen in der Einsicht, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, aber dieses hin und her, hier oder dort, für oder gegen ist mindestens genauso zweifelhaft und das eigentliche Problem. Natürlich haben die Bürger Israels das Recht sich zu verteidigen und natürlich sind sie bedrohter als je zuvor und jedem Menschen sollte sich hier die mentale Faust in der Hosentasche ballen, dass Menschen wegen ihrer Religion oder irgendwelcher willkürlicher Grenzen jeden Tag mit Terror übersäht werden. Aber genauso richtig und in seiner Sache falsch ist das Vorgehen Israels, die Palestinänser wie Sklaven oder neuzeitliche Juden zu behandeln. Nein, keine Polemik, einfach Wahrheit. Palestinänser dürfen gewisse Straßen gar nicht, oder nur zu bestimmten Uhrzeiten befahren. Sie werden ständig kontrolliert, sie müssen Niedriglohnarbeiten verrichten, sie dürfen keinen eigenen Staat errichten, sie werden in Nacht und Nebel-Aktionen ihrer Heimat verwiesen – jeden Tag aufs Neue. Und einigt sich die Staatengemeinschaft einmal darauf, dem Treiben eine Grenze zu setzen, etwa einen Siedlungsstopp Israels, setzt Israel sich über die Beschlüsse hinweg, will aber im Gegenzug die Unterstützung der Staatengemeinschaft, wenn es um seine eigenen Belange geht. Natürlich ist Israel und seine Menschen ein gebranntmarktes Kind, natürlic muss man das wissen und verstehen. Aber den unmoralischen Umgang Israels mit seinen Nachbarn muss man trotzdem nicht mögen. DAS wird man doch wohl noch sagen dürfen. Lang lebe Israel, lang lebe die Menschheit.

  • Ulrich Paulus:

    Gratuliere zu diesem offenen und wichtigen Statement! Mir erging es ähnlich: in Studentenzeiten habe ich noch eifrig die anti-israelischen Asta-Parolen nachgeplappert, ohne mir die Mühe gemacht zu haben, mich mit der Thematiker wirklich zu beschäftigen. Das war schön bequem, weil es ja die coolen “Linken” so sahen, musste es ja wohl stimmen. Dachte ich. Irritiert haben mich damals allenfalls Äußerungen wie die einer Kommilitonin zu Beginn des Irak-Kriegs 1991, sie hoffe, dass “Israel jetzt endlich auch mal was abkriegt” (sie meinte Raketenangriffe), was dann ja auch geschah. Damals wusste ich rein gar nichts über Israel. Wenn einer dieser linken Wortführer gesagt hätte, dort dürfen nur Juden als Staatsbürger leben, hätte ich es geglaubt. Wenn jemand gesagt hätte, Israel hätte alle Kriege angefangen, hätte ich es geglaubt. Erst nachdem ein Freund, auf dessen Meinung ich aufgrund seiner scharfen Intelligenz und hohen Bildung große Stücke hielt, mich darauf aufmerksam machte, dass alle israelisch-arabischen Kriege arabische Angriffskriege mit dem Ziel der kompletten Vernichtung aller Juden im Nahen Osten waren, fing ich an, mich etwas eingehender mit den historischen Hintergründen zu beschäftigen und erschrak, was für einen Unsinn ich vorher schwadroniert hatte. Ich habe die Thesen der bekanntesten Israelkritiker wie Noam Chomsky oder auch von Uri Avnery (den ich sehr schätze und respektiere, auch wenn ich nicht alle seiner Ansichten teile bzw. andere Schlussfolgerungen ziehe). gelesen, aber auch die von Alan Dershowitz und Tilman Tarach (dessen Buch “der ewige Sündenbock” ich jedem empfehle), und die Argumente der Israel-Verteidiger erschienen mir deutlich schlüssiger. Ich beurteile die aktuelle Situation ähnlich wie Sie und kann mich mit Ihrem Text sehr gut identifizieren. Dass durch das Simon Wiesental-Zentrum (das übrigens nie eine Liste der “10 schlimmsten Antisemiten” veröffentlicht hat, sondern eine Liste der “10 übelsten anti-israelischen und antisemitischen Verunglimpfungen”, was ein himmelweiter Unterschied ist), Broder und andere die antiisraelischen Resentimments in der deutschen Öffentlichkeit offen zutage getreten sind, sehe ich als Chance, ihnen mit gewichtigen Argumenten entgegenzutreten – besser als wenn sie weiter im Verborgenen vor sich hingären. Die allermeisten “Israelkritiker” haben nämlich nicht den Funken einer Ahnung vom israelischen Staat und von der Geschichte der Region. Jetzt ist “gesagt was gesagt werden muss” und das bietet die Gelegenheit, mit Fakten Paroli zu bieten. Denn meiner Meinung nach vertritt Israel im Nahen Osten unsere Werte: Meinungs- und Religionsfreiheit (die muslimischen Araber mit israelischem Pass machen 20 Prozent der Bevölkerung aus und haben alle Freiheiten, werden Chefärzte, Parlamentsabgeordnete, Unternehmer uvm., können ihre Religion freier ausüben als Moslems in Deutschland usw.). Deshalb ist es wichtig, dass noch mehr Menschen sich die Zeit nehmen, sich ernsthaft mit der Thematik auseinanderzusetzen – viele werden dabei hoffentlich ihre Vorurteile über Bord zu werfen und die einzige Demokratie im Nahen Osten zu unterstützen.

  • schredder66:

    Schön und gut, Herr Matussek – es zeigt, dass der Mensch lern- und einsichtsfähig ist.

    Meine wertneutrale, aber auch anti-israelisch / anti-semitisch lesbare, Frage lautet: Muss die Lern- / Einsichtsfähigkeit eine Einbahnstrasse sein? Wachsen in Israel keine Generationen nach, die eine andere Sicht auf die Politik ihres Landes haben? Eine Generation, die einen Deutschen auch dann erkennt, wenn der rechte Arm ruhig am Körper liegt? Eine Generation, die fähig ist, auch über israel-kritische Äusserungen ohne den Antisemitismus-Reflex zu diskutieren?

    Ich bin als Deutscher durchaus bereit, eine Art Kollektivschuld auf mich zu nehmen – auch nach zwei bis drei Generationen. Ich bin aber nicht bereit, diese Schuld als Maulkorb zu akzeptieren.

    Leider glaube ich, dass das deutsch-israelische Verhältnis (ich meine nicht das politische) sich nie normalisieren wird. Ja, der Holocaust war nicht “normal”. Aber “normales” menschliches Miteinander, auch kritisches, wäre wünschenswert.

    Und so gut Herr Augstein´s Kommentare und Ihre “Gegendarstellung” auch gemeint sein mögen – sie verstärken den Argwohn mehr, als dass sie auf Verständnis treffen. Zumindest bei mir.

  • T. Schmidt:

    MATUSSEK!!!!!! SCHREIEN SIE DOCH JEDEN AN. DER IHREN HERRN JESUS NICHT MAG, SIE INFANTILER AGGRESSOR!!!!!!!!!!

  • André:

    Es wäre fantastisch die Typografie und Struktur etwas anzupassen, sie sorgt leider dafür, dass es eine Quälerei ist, den Artikel zu lesen.

    Ich habe es dennoch getan und es hat sich gelohnt, vielen Dank.

  • sorry dass ich mich jetzt erst melde, admin-probleme, danke für Ihre Zuschrift

  • na ja, der frühere stand ja auf spon ;-)

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