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Archiv für Oktober 2012


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 43/2012

SP1232

Florian Illies hat den Roman eines Jahres geschrieben. “1913″ ist das Porträt einer apokalyptischen Übergangszeit. Vor allem Künstler ahnten den Zivilisationsbruch voraus.

Ein Schwarm schwarzer Vögel, der vor der aufgehenden Sonne aufschwirrt. Otto Dix hat den Karton bemalt, 1913. Er steht bei Florian Illies, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach in Berlin, auf einem Bücherbord. Diesen Beitrag weiterlesen »

YouTube Preview ImageDer Titel klingt grimmig, doch es ist ein Werk der Freude und des Wunders. In Deutschland hat sein neues Buch, eine Novelle, schon Wellen geschlagen. Nun hat SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek “Die Apokalypse nach Richard” am Bosporus präsentiert.


In Richard Königs Haus laufen die Weihnachtsvorbereitungen auf Hochtouren. Doch Weihnachten ist weiß Gott nicht mehr das, was es einmal war, und auch Richard ist nicht mehr der, der er einmal war. Ihn plagt der graue Star, und er wartet auf die Ankunft Gottes in dieser gottlosen Finsternis. Als er plötzlich wieder sehen kann, weiß er, dass Gott ihm ein Zeichen gesandt hat. Seine Frau Waltraud dagegen möchte das Fest der Liebe feiern. Doch das Weihnachtsmahl missrät gründlich. Die Schwiegertochter ist in anderen Umständen, der Sohn Roman, ein impulsiver Journalist, hat den Halt und seine Frau verloren. Nur Nick, der 14-jährige Enkel, ist anders. Tief, klug und frühreif – ein bisschen wie Richard selbst, damals im Berlin der 30er Jahre. Zur heiligen Stunde scheint sich Richards Prophezeiung zu erfüllen: Plötzlich sind da Rauch und Licht und eine Gestalt, die wahrlich überirdisch und gewiss nicht gottlos ist.
Die anrührend und passioniert erzählte Geschichte einer Familie, der an Weihnachten Hören und Sehen vergeht.
Matthias Matussek ist ein engagierter Journalist und vielzitierter Erfolgsautor. Dass er auch ein Erzähler mit Witz und Passion ist, beweist er mit dieser Geschichte, mit der er seiner Lebensfrage nachgeht: Warum glauben wir eigentlich nicht, was wir doch sehen?

Rezension von The European