Archiv für Juni 2010
Natürlich bin ich bereit, Verantwortung fürs Vaterland zu übernehmen, meinetwegen auch als Pressesprecher einer Übergangsjunta – da hat die “taz” völlig recht. Zum Artikel
Hanns Zischler liest Texte von Johann Wolfgang von Goethe,
Matthias Matussek und Hanns Zischler sprechen mit Manfred Osten
über Goethe und das Geld. Hier zum nachlesen
Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 24
Während die Welt am Abgrund tanzt, punktet Schweden mit einem Spektakel der Solidität: Am Samstag ehelicht Kronprinzessin Victoria ihren Ex-Fitnesstrainer. Das Ereignis soll nicht nur der Monarchie helfen, sondern auch den Herzschmerz-Medien.
Schon vor diesem erhofften Rausch aus Glockenläuten und Protokoll, aus raschelnder Spitze und purpurroten Läufern ist klar, dass der Schwede, wenn es um Hochzeitsgeschenke geht, auch nur mit Wasser kocht.
Da geben sich nun Kronprinzessin Victoria und ihr früherer Fitnesstrainer Daniel Westling nach einer quälenden achtjährigen Tortur des Wartens, nach Einsprüchen des strengen Vaters sowie Überwindung lebensbedrohender Krankheiten – Bulimie sie, Nierentransplantation er – endlich das Jawort, und was kriegen sie: Praktisches.
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Erschienen auf SPIEGEL Online am 10. Juni 2010
Das Testament einer toten Diva. Ein Stardirigent als Penner. Ein Comeback mit Wagner. Mit “Einmal noch” hat der Dramatiker Klaus Pohl einen Reißer um Musik und Wahnsinn geschrieben und in Wien inszeniert. In der Hauptrolle der unvergleichliche Otto Schenk, der diese Woche 80 Jahre alt wird.
Er mag zwar ein Penner sein, der Alte mit der braunen Trainingshose, der da seinen zugemüllten Supermarktwagen vor die Würstchenbude schiebt, aber das heißt erstens nicht, dass er immer einer war, und zweitens, dass er nicht wüsste, wie man Komplimente macht.
Zu dieser jungen Frau im modischen Trenchcoat, die dort an ihrer Cola Zero nuckelt, sagt er:
“Sie sind schön.”
“Ich wünschte, ich könnte das von Ihnen behaupten”, schnappt sie zurück.
Darauf er: “Machen Sie es wie ich. Lügen Sie einfach.”
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Erschienen in der B.Z. am 5. Juni 2010
Köhler ging – wer kommt? Autor Matthias Matussek über ein Staatstheater in sechs Akten.
Wäre die zurückliegende Woche ein Roman, ich hätte ihn in die Ecke geschmissen. Was für ein chaotisches, schlampig zusammengereimtes Zeug! Nicht Fisch, nicht Fleisch, kein Polit-Thriller, aber auch keine Romanze, die Akteure mittelmäßig, ihre Motive unausgeleuchtet, ihre Beweggründe weitgehend unverständlich!
Was soll das, den Knaller gleich auf die erste Seite zu packen und danach nur noch Irrsinn, Kulissenschieberei, hektisches Kandidatenkarussell, um alles mit der grausten aller grauen Lösungen zu beschließen, und zwar mit der Aussicht, dass sie grau bleiben wird auf Jahre hinaus? Man nennt so was: Anti-Klimax.
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