Archiv für Mai 2010
Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 22

Er war der Rächer mit dem Poncho und der Bulle mit der 44er Magnum, bis er sich als Meisterregisseur neu erfand. Diese Woche wird Kinolegende Clint Eastwood achtzig. Eine Spurensuche.
Da es einfach unmöglich ist, keinen Clint-Eastwood-Lieblingsfilm zu haben, hat auch der Passbeamte am Flughafen in San Francisco einen. Er mag “Für eine Handvoll Dollar”, überhaupt die Spaghettiwestern aus der frühen Periode.
Keine schlechte Wahl, denkt man sich, hier in der lärmenden Brandung von Einreisewilligen aus aller Welt. Der Mann mit dem Poncho und dem Colt. Einer im Grenzgebiet, der für Ruhe und Ordnung sorgt, ohne viel zu reden.
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Mit den Kollegen vom “The European” habe ich ein ausführliches Gespräch über die neuen Medien und den deutschen Meinungsjournalismus geführt. Das gesamte Interview ist hier.
Erschienen in SPIEGEL Wissen “Pubertät” am 4. Mai 2010

So rebellisch die eigene Jugend gewesen sein mag: Wenn Väter ihre halbstarken Söhne ins Abenteuer Leben entlassen, stellen sich Ohnmachtsgefühle und Wehmut ein.
Ich kenn mich nicht aus in der Pubertät. Wie sollte ich auch? Keiner kennt sich da aus, vor allem der Pubertierende nicht. Das ist ja gerade das Kennzeichen von Pubertät. So weit ich mich erinnere, ist der Kopf da eine Art Raumkapsel, in der völlig bizarre Gegenstände und Bilder zusammenhanglos vorüberschweben und durcheinanderwirbeln, Stimmungen zwischen Euphorie und Schwermut wechseln, oft ohne Koppelung an die Wirklichkeit oder an das, was man als Auslöser bezeichnen könnte.
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Erschienen auf SPIEGEL Online am 5. Mai 2010

Ist das Bürgertum tot oder lebt es auch zerstückelt weiter wie ein Regenwurm, der zweigeteilt wird? Das “Philosophische Quartett” machte sich in politisch wie wirtschaftlich wackliger Zeit auf die Suche nach der Mitte – ein umständlicher, aber sehr aufregender Fernsehmoment um Mitternacht.
Wie schön, dass es noch Sendungen gibt, in der die Gesprächspartner sich nicht von vornherein sicher sind, wie sie reden sollen über das, worüber sie reden wollen. Nicht, dass es keine starke Zielvorgabe gegeben hätte in dieser Runde des “Philosophischen Quartetts”. Eine heftige sogar, eine unmittelbar einleuchtende Behauptung, nämlich “Verlust der Mitte – In den Ruinen der Bürgerlichkeit”.
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