Wie lässt sich im öffentlichen Raum über den Glauben reden in dieesen Zeiten, wie lässt sich über die Kirche reden, ohne dass es verrutscht?
Natürlich haben Kirchenvetreter Unrecht begangen, diejenigen, die sich an ihren Schutzbefohlenen vergriffen haben, und auch diejenigen, die solche Handlungen vertuscht haben. Wie selbstverständlich ist es also, zu sagen: wir müssen dafür uns entschuldigen, und zwar die ganze Kirche.
Ich habe darauf hingewiesen, dass genau das geschehen ist: In den Karfreitagsfürbitten, also im innersten Kern der Lithurgie am heiligsten Tag des Kirchenkalenders. Alle knieten sich da hin. Sicher hätte sich auch der Papst Ostern dazu äußern sollen, und ich war darüber enttäuscht, dass er es nicht tat.
Aber man kann die Katholische Weltkirche nicht auf das Problem des Missbrauchs reduzieren.
Ich habe die Weltkirche kennengelernt, in Brasilien, in New York, in London, wo ich als Korrespondent gearbeitet haben. Starke Gemeinden, glühende Gemeinden. Da draußen gibt gibt es andere Probleme als in übersatten Komfortgesellschaften wie bei uns: Armut, brennende Ungerechtigkeit, Krankheit, Tod. Überall sind katholische Priester im Einsatz. Sie begleiten die Sterbende, sie helfen den Pennälern, sie trösten die Einsamen.
Und dann sitzt Du da und hörst Dir an: Die Kirche ist voller Päderasten. Der Zölibat zieht Perverse an. Die Kirche besteht zu vierzig Prozent aus Schwulen. Der Mann an der Spitze trägt Frauenkleider. Und Du kannst das erst mal nicht fassen.
Noch einmal: Ich glaube nicht daran, dass es einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie gibt, und ich kenne keinen Fachmann, der das behauptet.
Ich glaube im Gegenteil, dass der Zölibat diese Verbrechen eher verhindert, weil er eine zusätzliche moralische Sperre aufrichtet. Es ist viel eher die kirchenfeinliche Partei der Gegenseite, die humanistische Union, der Grünen-Politikerinnen wie Claudia Roth und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberg angehören, die noch in den 80-er Jahren umstandsfreien Sex mit 12-Jährigen propagierte. Es ist gewaltig viel Verlogenheit im Raum, und jeder eifernde Idiot, der schon immer gerne auf der Kirche herumtrampeln wollte, darf es nun unbefangen tun.
Die Frage um das Zölibat ist schwierig und auch für mich noch nicht restlos beantwortet. Das Zölibat, machen wir uns nichts vor, ist eines der letzten Alleinstellungsmerkmale des Katholizismus im vergleich zum Protestantismus. Ich sehe im Zölibat eine Aufwertung des Priestertums, ein unalltägliches Opfer, eine imponierenden Einspruch gegen die Kultur der schrankenlosen Bedürfnisbefriedigung.
Auf der anderen Seite sehe ich, dass es über kurz oder lang nicht zu halten ist. Ich glaube aber, dass es über dieser Frage zur Kirchenspaltung kommen wird. Das Zölibat wird fallen, die Traditionalisten werden sich abspalten, und der Rest treibt in Richtung Protestantismus und Lindenstraße davon. Und selbstverständlich wird es dort auch Priesterinnen geben, Klampfen-Gottesdienste, Rockertrauungen und Kegelausflüge mit Gebets-Picknick, und alle werden die katholische Kirche endlich da haben, wo sie sie haben wollten: im bequemen, harmlosen Freizeit-Nichts.
Lesen Sie dazu auch noch meinen Artikel auf SPIEGEL Online vom 27. März 2010 mit dem Titel “Warum ich nicht austreten kann”.


April 12th, 2010 17:43
aber ging es denn gestern abend um das zölibat? ich meine, es ging um den ruf der kirche.
und was tut der bischof? er erklärt, homosexualität sei gegen die natur, nicht von gott gewollt. neben ihm sitzt anne will, die gastgeberin. das hat den ruf der kirche sicher verbessert.
und weiter: warum ‘geschwätz’? der bischof kurvt herum. wie er zu unterirdischen äusserungen von kollegen steht… der bischof kurvt herum. lenkt ab, redet von ‘liebe’… (für wen? für kinder?)
daneben sitzen zwei katholiken. was tun sie? nichts. nein, schlimmer noch: sie graben die grube noch tiefer… beleidigen andere anwesende. das war/ist das problem. das ist der ruf der kirche.
demut? nächstenliebe? friedfertigkeit? man fragt sich: was hat jesus gesagt? was ist bezeugt? wer hat die kirche gegründet? das zölibat erfunden? und warum? und wer hat massenhaft zeugnisse über jesus aussortiert?
was ist ein christ? und was ein katholik?
April 12th, 2010 17:45
Sehr geehrter Herr Matussek,
sie haben völlig recht mit allem, was sie sagen. Leider ist in einer linksliberalen Öffentlichkeit, in der der unbedingte Primat der political correctness gilt, Betroffenheitsaktionismus, Empörungsrhetorik , Gutmenschentum und Bigotterie auf fast schon pathologische Art und Weise kultiviert werden kein Platz für unbequeme Wahrheiten. Gut, dass sie es trotzdem versucht haben. Unsere religiöse Indifferenz ist einer von vielen Sargnägeln hinsichtlich des Untergangs der christlich -abendländischen Kultur sowie unserer allgemeinen Dekadenz. Bleiben sie am Ball und lassen sie sich nicht unterkriegen von Idioten, die einem völlig schwachsinnigen Zeitgeist huldigen.
Mit freundlichen Grüßen
C. Maßling
April 12th, 2010 18:08
Sehr geehrter Herr Matussek, ich habe gestern einen Großteil der Sendung “Anne Will” verpasst, kam aber gerade noch dazu Ihre Beiträge auch zum Zölibat in der Sendung zu hören. Ihre reaktionären Äußerungen waren derart erschreckend für mich, dass ich mich zeitnah um die Kündigung meines Spiegelabos bemühen werde. Ihre nebenläufig, abfälligen Äußerungen im Stil “…hören Sie auf mit Ihrem linken Geschwätz” passen wirklich ganz wunderbar in das konservativ-katholische Gewese der eingeladenen Katholikin und dieses gruselig bejahend lächelnden Geistlichen. Typen wie Sie bestätigen mich einmal mehr, schon vor 20 Jahren aus der Kirche ausgetreten zu sein war die richtige Entscheidung. mit ganz freundlichem Gruß Jutta Esser.
April 12th, 2010 18:21
Lieber Matthias, leider war ich verhindert, Deine Sendung zu sehen, aber die anschließenden ausufernden Debatten darüber sind für mein Gefühl zum großen Teil sehr daneben. Leider auch von Deiner Seite: die Gleichsetzung von Protestantismus und Lindenstraße finde ich recht übel. Ein wenig Reform kann der katholischen Kirche sicher nicht schaden. Auch ich schätze die Rituale, die Musik und glaube an die Kraft des christlichen Glaubens, aber gerade deshalb empfinde ich es als ungeheuerliche Blasphemie, dass ein Mensch sich als unfehlbar und Stellvertreter Gottes bezeichnen lässt, zumal ihm wirkliche Fehler nachzuweisen sind. Wollen wir nicht lieber die Kirche im Dorf und jeden nach seiner facon selig werden lassen?
April 12th, 2010 18:34
Vielen Dank für Ihren Beitrag bei Anne Will.
Was wir hier wieder mit erleben durften ist
eine weitere Stufe von Wohlstandverwahrlosung.
Wir haben immer noch Recht und Gesetzt.
Kriminelle Delikte werden von der Justitz ver
folgt. Wo blieben und bleiben die Anzeigen
und Anklagen von der Staatanwaltschaft.
Wieso wurden Anzeigen zurückgezogen ?
Verfahren wegen Geringfügikeit eingestellt ?
Was hat damit ev. der Papst oder DFB-Präsidet
etc zutun ? Seit über 30 Jahren ?
Wo sind die Verantwortlichen – Eltern
und Erzieher- etc?
Damals und heute ? Alles nur Wegkuger und
Verdränger. (Baring läßt grüssen) Wie
scheinheilig und
verlogen wurde hier wieder argumnentiert !
Das Pferd wird gerne populistisch von hinten
aufgezäumt. Bringt Quote und Auflagen !
Gewalt und Mißbrauch sind überall!
Nicht nur Fälle bei Institutionen, Vereinen
sondern zu aller Erst in den Familien.
Jährlich mehr als 20000 Fälle.
Hier sollte man endlich einmal der Wahrheit
die Ehre geben. Ob das in dieser
Spaßgesellschaft noch möglich ist ?
Ohne Werte und Moral Standards ?
Der Beliebigkeit sei Dank
Vielen Dank für Ihren Versuch.
mfg Haberstroh
April 12th, 2010 21:53
herr maßling, (und wohl auch herr? frau? ‘haberstroh’, wenn das ein name ist?)
das thema “Unsere religiöse Indifferenz ist einer von vielen Sargnägeln hinsichtlich des Untergangs der christlich-abendländischen Kultur sowie unserer allgemeinen Dekadenz” umtrieb schon jesus… weshalb er dazu eine menge gute ansagen gemacht hat.
diese finden sich jedoch in der organisation, im system katholische kirche wenn überhaupt nur noch höchst rudimentär wieder.
insofern wäre es wünschenswert & schön, unsere welt wäre/würde christlicher. aber bitte nicht katholischer.
mbg, dd
p.s.: das wußte auch franz von assisi. und wurde dafür von der kirche schwer verborgen. bis er daran starb. er war ein christ. kein katholik.
April 12th, 2010 23:38
Lieber Herr Matussek,
danke für Ihre unkonventionelle Art wichtige Dinge auf den Punkt zu
bringen. Danke auch wie Sie das bei Anne Will getan haben. Interessant
(oder eher traurig) ist doch, dass nun jeder, der noch so wenig Ahnung
von Kirche hat, mit dem Brustton der Überzeugung Halbwahrheiten oder Lügen
verbreiten kann und dafür noch beklatscht wird (siehe Jörges und v Praunheim)
Was die Leute alles glauben, wenn sie damit ihre Voreingenommenheit, bzw. ihr bisheriges Leben
gerechtfertigt sehen. Nur so ist auch zu erklären, dass die gleiche Szene der Sendung
in den Foren von unterschiedlichen Menschen völlig konträr beurteilt wurde.
Im Medienzeitalter kann man sich mit ein Paar Mausklicks über die Definition von
Unfehlbarkeit oder Ausmass und Ursache von Inquisition erkundigen, abgesehen von
ausführlichen Infos zu den derzeitigen Missbracuhsberichten. Aber dass ist dann
wohl doch zuviel verlangt.
Ich denke, dass wir uns durch diesen Medienhype nicht in eine aufgeregte
Erwartungshaltung drängen lassen sollten (Was soll der Papst denn sagen?
Die Tatsache, dass er es nun den deutschen Bischöfen erstmal überlässt, zeigt doch
sein Vertrauen in diese). Interessant ist doch, dass die gleichen Menschen, die
eine angebliche Romfixiertheit beklagen am heftigsten nach Rom zum Papst schauen.
Ist damit die Hoffnung verbunden, dass der Mann in weiss im Staub kriecht?
Nein, ich glaube es geht hier um nachhaltige Entscheidungen (die getroffen wurden und werden) und nicht um das Einstimmen ins täglich wechselnde Mediengetöse.
Mit herzlichem Gruss
April 12th, 2010 23:51
Sehr geehrter Herr Matussek,
vielen Dank für Ihre Hervorragende Reaktion in der Sendung auf den Nonsens Herrn Rosa von Praunheims. Auch, wenn ich in Bezug auf Homosexualität eine andere Meinung habe als Sie, ich folge der Position Overbecks, haben Sie gut geholfen, die Kirche zu verteidigen.
Auch sind manche der hier zu lesenden Meinungen wenig sinnvoll, das Thema Homosexualität wurde schließlich von Rosa von Praunheim aufgebracht. Und ein Bischof, gerade in so einer Talkshow, aber auch sonst, muss die authentische Lehre der Kirche vertreten
Sie gehören zwar zum Spiegel, dennoch bleiben Sie katholisch, das imponiert mir.
Machen Sie weiter so.
Mit freundlichen Grüßen
April 13th, 2010 00:49
Herr Matussek, ich stimme Ihnen voll zu bis auf folgende Ausnahmen:
Der Papst hat glücklicherweise das Osterfest nicht zu einer Aufbesserung der gedruckten deutschen Meinungsbildung über seine Person missbraucht. So man seine Ausdrucksweise am Palmsonntag nicht nur als allgemeine Kritik an der gern in Unverbindlichkeit und damit in Belanglosigkeit sich ergehenden Mehrheitsmeinung auffassen will, sondern als Ausdruck seines persönlichen Ärgers über auf breiter Front gegen die Kirche vorgebrachte unqualifizierte Kritik von der Art, wie sie zwei gewisse Personen auch in der „Anne-Will-Sendung“ vorgetragen haben, so sei auch ihm mal eine solche polemische Äußerung zugestanden. Seine Gegner sind wesentlich weniger zimperlich.
Der Zölibat wird nicht fallen. Schließlich wurde er durch Maria von Nazareth eingeführt. Deshalb wird es auch keine Priesterinnen geben. Allerdings wird es Klampfen-Gottesdienste, Rockertrauungen und Gebets-Picknick im Einklang mit der Tradition geben.
Leider ist es den Katholiken in der Sendung nicht gelungen, den schärfsten Vorwurf gegen Papst Benedikt zu widerlegen, der von der Redaktion durch die Einspielung sowie nochmals durch Herrn Jörges vorgebracht wurde, nämlich die angebliche Missachtung des Schutzes potentieller Opfer im Falle der US-amerikanischen Priester Kiesle und Murphy. Niemand hat darauf hingewiesen, dass zum Zeitpunkt der entsprechenden Briefwechsel die Fälle von der weltlichen Justiz abgeklärt und die Priester von ihren Bischöfen längst von jugendgefährdenden öffentlichen priesterlichen Tätigkeiten suspendiert waren. Bei der diskutierten Laisierung ging es nur noch um die Aberkennung der priesterlichen Identität. Weitere Erläuterung dazu unter http://elsalaska.twoday.net/stories/6283772/. Auch die ungeheuerliche Falschmeldung aus http://daserste.ndr.de/annewill/archiv/sofagast218.html wurde nicht entlarvt. Ich wünsche Ihnen weiterhin den Mut, der sich nicht vom Gerede der vorherrschenden Meinung einschüchtern lässt.
April 13th, 2010 08:54
Lieber Herr Matussek,
Ich bin überrascht von der Diktion von Jörges und Praunheim. Die der katholischen Seite in der Sendung letztlich vor die Füße werfen, sie würden einem autoritären System (Die Diktatur des Vatikans, so oder ähnlich lässt sich Jörges Einlassung ja zusammenfassen)folgen, kamen in ihren Aussagen selbst recht diktierend daher. Was ich nicht verstehe ist, warum man der Kirche ihre vielfältigen Identitäten madig machen will, wenn man doch selbst nicht Teil von ihr ist? Wäre Praunheim Papst wäre die Welt nicht besser. Wäre Jörges Bischof, dann würde Mixa als liberales Licht in der katholischen Welt leuchten. Das Problem für mich als Zuschauer und (katholischen) Atheisten, ist, dass die Kritiker eine Lautstärke aufbringen, die den Diskurs unmöglich machen und auch den Blick auf die Dinge verstellen, die als Fragen im Raum stehen. Der Umgang mit der Problematik des Missbrauchs wurde etwa 2002 von der Kirche festgeschrieben und entspricht im wesentlichen den Forderungen, die heute im Hinblick auf die bekannt gewordenen Fälle gestellt werden. Hinter Jörges Geschreie konnte man B. Overbecks Einlassung hierzu heraushören. Die Dokumente wie das Schreiben an die irische Kirche, die Enzykliken sind schon schwerer zugänglich für diese medialen Kanonen, wie Jörges und Praunheim. Das Opfer, dem die Empörung eines Jörges zugestanden hätte, war in der Kürze seiner Stellungnahme sogar noch differenzierend (Während Jörges ein sich selbst gegebenes Gelöbnis erfüllen zu wollen schien, so viele Schlagworte wie nur möglich in seine monologischen Beiträge ein zu flechten). Overback habe ich tatsächlich als klar empfunden. Natürlich teile ich seine Auffassungen nicht, aber sie machen eben deutlich wofür die Kirche steht. Frau Kuby machte deutlich woran sie sich orientiert und sie taten es ebenso. Die einzige Einlasung Praunheims, der ich zustimmen konnte war jene in Bezug auf die Haltung der Kirche gegenüber Homosexualität. Sie haben darauf ja auch mit der Weisheit des katholischen Laien geantwortet. Ihr Feyerabend-Zitat hat mir zugesagt und entspricht dem Weg den ich persönlich gehe.
Ihren Frust, dem sie am Ende ihres Blogbeitrages Luft machen kann ich nachempfinden. Tatsächlich bemüht sich die Gesellschaft Institutionen “gleich zu machen”. Reibung wird kaum noch ertragen, dafür aber werden die moralischen Herausforderungen nieder geschrien, während die technischen Möglichkeiten menschlicher Entfremdung (Medien aller Art, Botox, “Schönheitschirurgie”, etc.) bejubelt werden.
Allerdings denke ich, dass wie-auch-immer gläubige Menschen, nicht das harmlose Freizeit-Nichts suchen, so wie sie es kommen sehen. Protestantische Kirchen sind Sonntags nicht voller als katholische. Menschen die sich an Gott wenden und Traditionen suchen und schätzen, auch wenn sie Veränderung wünschen, suchen nach Werten, nicht nach Ablenkung. Nehmen sie mich zum Beispiel: Mir könnte das ganze ziemlich schnuppe sein. Ich könnte als Atheist getrost meinen Dawkins lesen. Aber mein Wertebezug ist durch meine Prägung eindeutig – warum sollte ich mich dagegen auflehnen, wenn ich Gutes in ihr finde? Ich sehe mit bedauern wie eine Kultur (die katholische oder besser die christliche) sich selbst entkräftet und angefeindet wird um deren Erhalt sich einzusetzen lohnt. Deswegen zahle ich weiter brav meine Kirchensteuer.
In diesem Sinne sende ich Ihnen meinen Friedensgruß!
April 13th, 2010 09:30
Herr Dotzert,
es klingt ja wundervoll, wenn Sie schreiben, der heilige Franziskus sei schließlich kein Katholik, sondern Christ gewesen und es bietet sich ja praktisch an, einen der außerhalb der Kirche nach Hildegard v. Bingen beliebtesten Heiligen nun auch noch für antikatholische Propagada zu vereinnahmen. Jedoch, als Christus dem hl. Franz in einer Vision erschien und zu ihm sagte “Bau meine Kirche wieder auf!”, welche Kirche, denken Sie, meinte der Herr denn damit? Die Kirche der universalen Gesinnungsethiker und Weltverbesserer? The Church of Küng Kong?
Wie viele Christen außerhalb der katholischen Kirche kennen Sie eigentlich, die Stigmata tragen, wie der Hl. Franz sie trug? Die Zeugen Jehovas, die hin und wieder bei mir klingeln, haben jedenfalls keine. Stigmatisierte Protestanten kenne ich auch nicht. Und jetzt erzählen Sie mir bitte nicht, Stigmata seien ja gar nicht “christlich”.
Warum glauben Sie, war es eines der wichtigsten Anliegen des hl. Franz, vom damaligen Papst eine Zustimmung und das Wohlwollen für seine neue Regel zu bekommen? Weil er sich selbst als “widerständiger, mündiger und aufgeklärter Laienchrist” sah, oder vielleicht eher als “treuen und demütigen Sohn der einen, heiligen, katholischen Kirche”?
Dies dazu. Daneben und noch dazu ist Ihre Aussage auch insofern Wortgeklingel, als nichtmal Jesus Christus selbst Christ war. Freilich war er auch kein Katholik. Allerdings glauben wir, dass er diese unsere heilige Kirche eingesetzt hat und sie sein mystischer Leib ist. Wenn Sie das nicht glauben können – ihr Bier. Aber dürftige Polemiken wie die ihre beweisen mir – seit drei Jahren katholisch – immer wieder aufs Neue, dass es die absolut richtige Entscheidung war, zu konvertieren.
Herr Matussek, ich habe Ihre Zusammenfassung gerne gelesen. Jedoch glaube ich nicht, dass sich “die Traditionalisten” abspalten werden. Vielmehr tendiere ich zu glauben, dass sich eine Art deutschkatholische Nationalkirche von der Weltkirche abspalten wird, und das ist dann deren Bier, nicht unseres, falls wir nicht mit ins Schisma gehen.
Herzliche Grüße aus Italien
EL
April 13th, 2010 13:24
Lieber Herr Matussek, Ihr blog ist ein Lichtstreif am Horizont, ehrlich. Vielen Dank auch noch nachträglich für Ihren FAZ Beitrag. Schön, daß es Sie und Ihren blog gibt.
April 13th, 2010 18:50
Hallo Herr Matussek,
ich habe mir die Sendung nur zum Teil angesehen, irgendwann als sich dieser geifernde Stern-Redakteur immer mehr echauffiert hat, habe ich dann weitergezappt. Zwingt den Mann irgendjemand dazu katholischer Priester zu werden? Was soll diese Meinungs-Diktatur? Wenn er an eine freiheitliche Gesellschaft glaubt, soll er anderen Männern zugestehen zölibatär lebende katholische Priester zu werden. Ein absolut unlogisches Verhalten. Die zölibatäre Lebensform ist eine unglaubliche Herausforderung und ich danke allen Priestern, die sie auf sich nehmen um frei zu sein den Menschen auf der Welt mit aller Kraft und Hingabe zu dienen.
April 14th, 2010 08:07
Hallo Herr Matussek,
ihr Auftritt bei Anne Will zeugt von Ihrer großen Ehrlichkeit.
Man konnte an den Gesichtszügen der Teilnehmer erkennen, wer inneren Frieden hat und wer Hass in sich trägt.
Für dieses christliche Zeugnis danke ich Ihnen, dem Bischof und Frau Kuby.
Die Wahrheit ist das höchste Gut. So sollte es vor allem auch im Journalismus sein.
Sie sind ein vorbildlicher Journalist.
Danke und Gott segne Sie
Helmut Kilian
April 14th, 2010 16:50
Sehr geehrter Herr Matussek,
herzlichen Dank für Ihren grandiosen Artikel über Mark Twain im SPIEGEL, noch viel mehr aber für Ihren glasklaren Auftritt bei Anne Will. Schön, dass sich noch jemand wehrt – und dazu auch in der Lage ist – gegen die Jörges, Praunheims, Wills und die anderen Schlaumeier und Gutmenschen. Man muss sicherlich über die katholische Kirche und ihre Vertreter, über eklatante Misstände und -bräuche und dringenden Reformbedarf diskutieren, die Inkompetenz, Unredlichkeit und Eitelkeit dieser Leute ist jedoch unfassbar. Und jeden Sonntag (und Donnerstag) geht es von neuem los. Einfach nur gruselig.
Herzliche Grüße
Reinhard Tegethoff
April 15th, 2010 06:46
Das eigentliche Problem wurde bisher kaum angesprochen: In Wirklichkeit stellt das Problem des priesterlichen Zölibats die Frage nach der Wirksamkeit der Gnade. Der Zölibat ist eine Gnade, wie der heilige Johannes-Maria Vianney wiederholte: „Die Reinheit stammt vom Himmel, man muss sie von Gott erbeten. Wenn wir darum bitten, werde wir sie erhalten.“ Den Zölibat aufgeben hieße, zu verkünden, dass die Gnade unzureichend ist, dass sie nicht dazu befähigt, ein übernatürliches Leben zu führen. Die Folgen wären katastrophal: Der Geist würde vor dem Diktat der leiblichen Bedürfnisse kapitulieren. Der „alte Mensch“ trüge seinen Sieg über den getauften Menschen davon.
April 15th, 2010 14:13
Fünf Jahre Benedikt XVI. – ein historischer Vertrauensverlust
von Hans Küng, emeritierter Professor für Ökumenische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
http://www.nzz.ch/nachrichten/international/fuenf_jahre_benedikt_xvi__ein_historischer_vertrauensverlust_1.5448429.html
15. April 2010, Neue Zürcher Zeitung
April 15th, 2010 23:55
Eine Spaltung der Kirche glaube ich nicht. Wer eine Kirche ohne Zölibat und voller Beliebigkeit will, der hat die die Kirche schon längst verlassen und für viele Katholiken und auch ehemalige evangelische Christen sind es eben die Glaubensinhalte die eben die katholische Kirche ausmachen.
Mögen sich ruhig einige Abspalten, es interessiert niemanden wirklich. Die katholische Kirche besteht nicht nur aus der BRD und das ist auch der Grund warum sich so viele wundern warum trotz allen Aktionen gegen die Kirche es so gut weiter geht. Auch das Geschwätz von Hans Küng ändert nichts daran – ja es ist Geschwätz weil es viel Unwahres enthält und er sich nur durch seinen Hass leiten lässt. Es ist für ihn unerträglich das ihm niemand wirklich zuhört … das verkraftet der alte Mann nicht.
Das was wir aktuell erleben, das die Presse heftig über die katholische Kirche herzieht ist in dem Begründet das es eben ein gefundenes Fressen ist. Man kann es endlich denen so richtig heimzahlen die sich außerhalb des Zeitgeistes bewegen. So etwas kennt jede Gesellschaft, so etwas macht auch jede Gesellschaft und das seit Jahrhunderten. Damit will ich keinen Missbrauch kleinreden, aber deutlich machen was der Antrieb der Art und Intensität der aktuellen Berichterstattung ist.
Jeder der sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt weiß das es bei den Katholiken nicht mehr Missbrauch gibt als in den evangelischen Kirchen. Jeder weiß auch das sogar nur 0,06 % aller Missbrauchsfälle in Einrichtungen der Katholischen passieren. Das kann jeder nachrechnen. Bei ca. 17.000 gemeldeten Fällen pro Jahr … wir diskutieren aktuell über ca. 500 Fälle aus den letzten 80 Jahren etc… Also ca. 500 Fälle von ca. 1.360.000 … das ergibt sogar einen noch geringeren Prozentsatz.
In öffentlichen Schulen ist der Missbrauch verbreiteter und es wurde und wird noch mehr verheimlicht. Ich selber – als Schüler in städtischen Schulen – kann nicht viel Gutes zu unseren Schulen sagen, sondern ich habe in jeder Schule Dinge erlebt die auf den Titelseiten der Presse landen würden wenn ich in katholischen Einrichtungen gewesen wäre. Aber, ich musste erleben das es die Presse nicht interessiert.
Deshalb rede ich von den Antrieben der aktuellen Berichterstattung. Es geht nicht um die Opfer und nicht um die Aufklärung der Missbrauchsfälle. Würde es darum gehen, würde die Presse nicht einseitig berichten.
Das aber interessiert nicht. Es interessiert auch nicht das die Presse zum Beispiel zum Odenwaldskandal 10 Jahre geschwiegen hat. Erst als der Druck von Weblogs zu groß wurde, erst als immer offensichtlicher wurde das die nicht-offizielle Presse mal wieder besser arbeitet als die offizielle, erst dann wurde das Thema endlich aufgegriffen. Aber nicht besonders konsequent. Kaum jemand berichtet zum Beispiel das es mindestens drei Reformschulen gibt sind die in die Skandale involviert sind.
Aber es wird berichtet und zwischenzeiltlich wird von der Zeit sogar zugegeben, wird offen eingeräumt das man damals mitgeholfen hat den Missbrauch zu verheimlichen. In dem Artikel “Das Schweigen der Männer” (eigentlich passt der Titel nicht) zum Skandal in der Odenwaldschule gibt die damalige Fachredakteurin Sabine Etzold zu: “Der Schaden an der Schule sei nicht wiedergutzumachen, juristisch sei die Sache verjährt, Becker entlassen. Und: Durch weitere Berichte werde man der Reformpädagogik schaden.”
Aber auch darüber redet man nicht wirklich. Natürlich nicht, denn es müsste sich der Spiegel endlich Stellung beziehen warum man geschwiegen hat, genauso wie die Süddeutsche und nahe zu alle anderen Blätter. Wer tut das schon? Von der katholischen Kirche verlangt man es, selber ist man nicht fähig dazu.
April 16th, 2010 00:46
Fünf Jahre Benedikt: Eine wuchtige Liebeserklärung und gleichzeitig eine Geschichte unbedingter Bekehrung: http://www.vatican-magazin.de/archiv/2010/4-2010/einblickepapst_0410.pdf
Scusì, Herr Matussek,sonst nicht meine Art, aber Herr Härriddiker Dotzert bzw. Hansi Kong zwangen mich dazu.
*Christsein mit Elsa*
April 16th, 2010 12:48
Sehr geehrter Herr Matussek,
die Diskussionsrunde bei Anne Will habe ich interessiert verfolgt. Ich verstehe auch, dass Sie sich als Katholik möglicherweise angegriffen fühl(t)en. Und mir ist auch bekannt, dass die kath. Kirche (KK) insbesondere im sozialen Bereich sehr aktiv ist.
Allerdings kümmert sie sich dabei in den Schwellenländern auch um die von ihr selbst verursachten Probleme (Stichwort Verhinderung jeglicher Geburtenkontrolle) und sorgt mit ihren seltsamen Urteilen (Exkommunikation eines Mädchens, das nach einer Vergewaltigung abgetrieben hat und nur geringer Bestrafung des vergewaltigenden Stiefvaters, http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,611654,00.html) auch dort für tolle Schlagzeilen.
Nehmen Sie – bezogen auf die aktuelle Diskussion – bitte folgende Dinge zur Kenntnis:
1. Die KK bezieht in erheblichem Maße Steuermittel in Deutschland – zusätzlich zur mit mehreren Mrd. Euro (Abschreibemöglichkeit) subventionierten Kirchensteuer. D. h. sie wird auch von Nicht-Katholiken indirekt finanziert. Insofern muss sich die KK auch sehr kritischen Fragen stellen.
2. Ferner macht die KK bislang nicht gerade einen sehr kooperativen Eindruck, mal ganz abgesehen von den erschreckenden Äußerungen des Essener Bischofs (einer Brüskierung der Gastgeberin Anne Will) und ranghohen Vertretern des Vatikans (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,688824,00.html). Diese Äußerungen sind außerdem derart diskriminierend, dass jede andere Organisation, die dermaßen aufträte, hierzulande vom Verfassungsschutz beobachtet würde.
3. Das Geeiere von Herrn Mixa passt einfach ins Bild, das die KK momentan von sich zeichnet, eines Haufens alternder Lichtgestalten, die fernab von Menschlichkeit (Humanismus), Unterordnung unter das Grundgesetz der BRD und der Legislative wie Exekutive allein ihrem Ruf verpflichtet zu sein scheinen. Es mag sein, dass 99.9% aller Katholiken ganz tolle Menschen sind, aber wenn der Kopf stinkt, macht sich jeder dieser Katholiken mitschuldig, der diesen Kopf auch noch verteidigt.
4. Es dürfte den meisten Nichtmitgliedern der KK egal sein, wie sich die Halsstarrigkeit und Engstirnigkeit sowie Zölibat oder welch andere Einstellung auch immer die KK vertreten mag, auf die Zukunft der KK auswirken – im Gegenteil würde ich es begrüßen, wenn diese Organisation sich auf die momentane Weise selbst erledigen würde. Egal ist mir und vermutlich den anderen Nichtmitgliedern aber nicht, dass sich die KK staatlichen Regeln nur widerwillig unterordnet, gesellschaftliche Gruppen diskriminiert und dafür mit staatlichen Zuschüssen auch noch belohnt wird.
In diesem Sinne, denken Sie nochmal über die eine oder andere Äußerung Ihrer Kontrahenten bei Anne Will nach…
Beste Grüße
HH.
April 19th, 2010 11:00
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Matthias Schumacher erwähnt. Matthias Schumacher sagte: Die Humanistische Union, Claudia Roth, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Sex mit 12jährigen http://bit.ly/aXRJ4o [...]
Mai 13th, 2010 07:08
I visit your blog practically daily and i like what are you doing with it. Many intresting posts on lots of cool topics and tendencies also, you have skills at writing. I always learn new things with the help of this blog and for that i will thank you with all my heart. Keep up this great work that you’re working at. Good Bye
Mai 30th, 2010 21:38
Schöner Artikel – wirklich eine Freude zu lesen. Macht weiter so und schreibt so inspirierende Inhalte!
Juni 5th, 2010 10:58
Danke für den tollen Beitrag, der hat mir sehr gut gefallen!
September 5th, 2010 12:04
Bin auch Katholikin und würde niemals austreten. Die, die austreten wollen, gehen eh nie in die Kirche. Wenn sie in die Kirche gingen, würden sie auch nicht austreten.
Mir gibt ein katholischer Gottesdienst viel.
Natürlich gab es düstere Kapitel in der katholischen Kirche, aber ich finde, sie hat ihre Hausaufgaben gemacht und dazugelernt.
Wir sollten wieder mehr dankbar sein für die Möglichkeiten die es durch die katholische Kirche gibt. Gottesdienst und Liturgie gehören für mich zu den Errungenschaften für die Gläubigen, die erhalten bleiben sollten.