Archiv für Januar 2010
Hier mein Redemanuskript zum Neujahrsempfang des Potsdamer Bürgermeisters am 29. Januar 2010.
Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 04 / 2010

Die US-Schriftsteller Jonathan Franzen und Adam Haslett über amerikanische Werte, die Präsidenten George W. Bush und Barack Obama – und über das realistische Erzählen als eine Form des Widerstands.
SPIEGEL: Mr. Haslett, Sie haben 1991 einen Creative-Writing-Kurs am Swarthmore College bei Philadelphia besucht. Ihr Lehrer war Jonathan Franzen, mit dem Sie inzwischen befreundet sind. Was haben Sie von ihm gelernt?
Haslett: Dass Schreiben totale Hingabe erfordert.
Franzen: In erster Linie habe ich den Leuten geraten, die Finger von der Schriftstellerei zu lassen.
SPIEGEL: Warum?
Franzen: Weil ein Schriftstellerdasein kein wirkliches Leben ist. Adam Haslett hat damals die beste Kurzgeschichte geschrieben und den Preis dafür von David Foster Wallace überreicht bekommen, der zum ersten Mal aus seinem Originalmanuskript von “Unendlicher Spaß” gelesen hat.
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Erschienen in DER SPIEGEL 03 / 2010

Die Sex-Beichte einer Politikergattin erschüttert die irische Seele.
Man könnte erleichtert sein, dass der Sex-Skandal, der derzeit Nordirlands Pubs bewegt, eine rein protestantische Angelegenheit ist. Die katholische Seite lag nämlich seit den Missbrauchsvorwürfen gegen den Bruder des Sinn-Fein-Führers Gerry Adams 0:1 hinten. Jetzt ist die Sache in etwa ausgeglichen, das Spiel wieder offen, die wacklige kaum dreijährige Friedensallianz im nordirischen Parlament wird ihre Arbeit möglicherweise fortsetzen können, mit schuldgesenkten Häuptern, auf beiden Seiten.
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Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.
Johann Wolfgang von Goethe
Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 02 / 2010

Literaturkritik: Der Epochenroman “Waltenberg” des Schriftstellers Hédi Kaddour
Hédi Kaddours 750-Seiten-Epos “Wal-tenberg” ist der gewaltigste wenig beachtete Roman der vergangenen Jahre*. Eine respektvolle längere Verneigung in “Le Monde”, eine Notiz im “Guardian”, ein paar Zeilen in der “Brigitte”, das ist es fast schon. Vielleicht liegt es daran, dass dieser Roman eine Zumutung ist.
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