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Archiv für August 2009


Erschienen in SPIEGEL Ausgabe 35 / 2009


Schiller
In seinem neuen Buch “Goethe und Schiller” beschreibt Rüdiger Safranski die einzigartige Freundschaft dieser ungleichen Männer – und ihr großes, gemeinsames Projekt, das immer noch auf seine Vollendung wartet: die ästhetische Erziehung des Menschen.

Die Allergrößten sind sie nicht mehr, hier auf dem Vorplatz vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar. Das betriebige Kaufhaus nebenan mit der modernen Glasschürze überragt sie maßlos. Doch wer vor den beiden stehenbleibt und zu ihnen aufschaut, hat Zeit, viel Zeit.

Sie wirken wie Verschwörer, Schulter an Schulter zwischen all den krempelschleppenden Menschen. Der eine, Goethe, hält den Dichter-Lorbeer, der andere, Schiller, der in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag feiert, schwenkt eine Schriftrolle, die die Erklärung der Menschenrechte enthalten könnte.

Gemeinsam wirken sie wie eine Beschwörung, die tief in die Vergangenheit reicht und weit hinaus in die Zukunft. Sie hatten ein antikes Menschenideal im Sinn, und sie haben früh formuliert, was auf dem Weg in die Moderne verlorengehen wird.
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