Der neue Matussek ist da!

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Archiv für Januar 1995

Avenue
›Der Tag, an dem Adolf Hitler die Kellerwäscherei von Ellen Koch auf der Upper West Side überfiel, war ein sonniger, kalter Herbsttag, und er begann mit einer Gardinenpredigt.‹ So beginnt die Geschichte von der scheinbar skurrilen alten Wäscherin Ellen Koch – und so lautet der Auftakt zu Matusseks Debüt als Erzähler. Schauplätze, Schicksale und Tonarten dieser Stories könnten kaum bunter und vielfältiger sein: Da ist die Geschichte von Jim Dole, dem letzten Cayuse, der im Reservat von Green Springs das Vermächtnis seiner Ahnen verwaltet – bis zu dem Tag, an dem er Amok läuft. Oder eine Touristenhochburg in Mexiko, die einer Stewardess fast zum Verhängnis wird. Jungdealer erleben eine dramatische Zeit in einem indischen Gefängnis. Oder das Leben klassenkampfbegeisterter Wohlstandskids in der Bundesrepublik der siebziger Jahre. Ein Dramolett über die deutsche Spaltung in Ost und West – privater Art. Und immer wieder New York, das glitzernde, trostlose, herausfordernde New York als Kulisse für eine Intellektuellenparty, für eine junge Frau, die auf ihr Todesurteil wartet, für einen Taxifahrer, der mit seinen Weltanschauungen nicht hinter dem Berg hält. Matussek schreibt metropolitane Literatur, beweglich und elegant, wie man sie bei amerikanischen Autoren so bewundert.

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